Hisbollah-"Beute"
Israelisches Gewehr als Geschenk für Ahmadinedschad
Ahmadinejad ist bei seinem Besuch im Südlibanon von geschätzten 200.000 Anhängern der Hisbollah-Bewegung umjubelt worden. In seiner Rede in der Hisbollah-Hochburg Bint Jbeil an der Grenze zu Israel wetterte er am Donnerstag erneut gegen den jüdischen Staat. Das Dorf Bint Jbeil war 2006 im Krieg zwischen der vom Iran unterstützen Hisbollah und Israel zerstört und mit iranischer Hilfe wiederaufgebaut worden.
"Unterdrücker werden geschlagen"
"Die Welt soll wissen, dass die Unterdrücker geschlagen werden und Palästina befreit wird", sagte Ahmadinejad am zweiten Tag seiner Libanon-Reise an die Adresse Israels, das dem Iran unter anderem vorwirft, die radikal-islamische Hisbollah mit Tausenden Raketen aufgerüstet zu haben. Aus Protest gegen den Libanon-Besuch von Ahmadinejad wurden in Nord-Israel Ballons steigen gelassen.
Zum Abschluss seiner Reise besuchte Ahmadinejad am Abend auch die südlibanesische Ortschaft Kana, die für viele Libanesen als "Märtyrerdorf" gilt. Dort waren 1996 bei einem israelischen Luftangriff auf einen UN-Stützpunkt 105 Zivilisten getötet worden, die dort Schutz gesucht hatten. Im Jahr 2006 während der Auseinandersetzung Israels mit der Hisbollah kamen dann nochmals 29 Menschen ums Leben. Israel hatte die "Operation Früchte des Zorns" gegen Stützpunkte der Miliz im Libanon nach Raketenangriffen der Hisbollah auf Nordisrael gestartet.
"Provokativ und destabillisierend"
Israelische Medien hatten sich zuvor alarmiert über den angekündigten Besuch Ahmadinejads in Bint Jbeil geäußert. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums hatte den Besuch bereits am Mittwoch als "provokativ und destabilisierend" bezeichnet. Auch die USA hatten den Iran davor gewarnt, die Spannungen im Libanon anzuheizen. US-Außenamtssprecher Philip Crowley bezeichnete die Reise in den Süden des Libanon als "Provokation". Ahmadinejad hatte Israel in der Vergangenheit vielfach provoziert, indem er etwa den Holocaust infrage stellte. Auch bei seiner Rede in Bint Jbeil sagte er in Anspielung auf Israel, "die Zionisten" würden "verschwinden".
Hisbollah bejubelt Ahmadinejad
Am Mittwoch ist Ahmadinejad wie ein Volksheld in Beirut empfangen worden. Anhänger der pro-iranischen Schiiten-Bewegung Hisbollah jubelten und warfen Rosenblüten, als der iranische Präsident in einem offenen Wagen durch die libanesische Hauptstadt fuhr. Der Iran unterstützt die an der brüchigen Einheitsregierung beteiligte Hisbollah, die sich selbst als Widerstandsbewegung gegen Israel definiert, mit Geld und Waffen. Der Westen und die pro-westlichen Politiker des Libanon beobachten das mit Besorgnis.
Zu Beginn seines ersten Besuches im Libanon sprach Ahmadinejad mit dem libanesischen Präsidenten Michel Sleimane, einem maronitischen Christen. Der iranische Präsident will auch mit Ministerpräsident Saad Hariri, einem sunnitischen Muslim, zusammentreffen sowie mit dem schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri. Außerdem sollte er am Abend auf einer Hisbollah-Kundgebung im Süden von Beirut sprechen.
Pro-westliches Lager gegen Besuch
Vor der Ankunft Ahmadinejads hatten Anhänger des pro-westlichen Lagers von Premier Hariri gegen den Besuch protestiert. Eine Gruppe von 200 ehemaligen Abgeordneten und Intellektuellen warf dem iranischen Präsidenten vor, er habe die innenpolitische Machtbalance gestört, indem er die Hisbollah aufgerüstet habe. Präsident Sleimane hatte im August vor einem inter-konfessionellen Bürgerkrieg gewarnt: "Wir werden nicht zulassen, dass jemand in unserem Land eine Spaltung zwischen den verschiedenen Religionsgruppen provoziert." Der Vorsitzende der Christen-Partei Forces Libanaises, Samir Geagea, erklärte: "Ahmadinejad wäre im Libanon willkommen, wenn er als Präsident des Iran käme und nicht als Präsident von Teilen des Libanon."
Israelischer Abgeordneter: Ahmadinejad töten
Im Vorfeld des Besuches hatte sich ein rechtsgerichteter israelischer Abgeordneter dafür ausgesprochen, Ahmadinejad während seines derzeitigen Aufenthalts im benachbarten Libanon zu töten. "Ich befürworte eine vorbeugende Behandlung, da sie schwere Krankheiten verhindert", sagte der Abgeordnete und Medizinprofessor Arieh Eldad von der ultra-rechten Oppositionspartei Nationale Union am Mittwoch. "Wenn sich Ahmadinejad - und sei es nur ein einziger Moment - im Visier eines Soldaten der israelischen Armee befindet, muss man unbedingt verhindern, dass er lebend nach Hause zurückkehrt."











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