Der Unterländer Christoph O. hat mit seinen 22 Jahren einiges durchgemacht. Sechs Mal wurde er wegen Gewaltdelikten verurteilt. Die Richter sprachen nicht selten von "letzter Chance" und er versprach noch öfter, dass er diese nutzen werde. Doch brach er dieses Versprechen stets, er konnte es nicht halten. Warum? Weil er keine Perspektive im Leben hatte. Sein Konto war chronisch leer, die Familie zerrüttet und auch sonst fehlte jeder Halt. Der Alkohol erschien dem Tiroler als Stütze. Und im Rausch schlug er oft zu.
Zukunftsperspektive
Im Februar 2009 war er in der Zillertaler Disco "Badwandl". Dort schlug der Angeklagte einem Mann die Zähne aus. Schaden: 1.200 Euro. Wieder muss O. vor den Richter. Doch nun hat sich in seinem Leben einiges geändert: Nach dem Vorfall fand er einen Job bei einer Baufirma. Bei dem Verein "Mannsbilder" ist er in Aggressionstherapie. Zudem hat eine Frau sein Herz erwärmt. Endlich hat er das, was er viele Jahre lang gesucht hat: Perspektive…
Eine Haftstrafe hätte ihm diese Lebensaussichten genommen. Der junge Mann wusste das: Er gestand und machte den Schaden finanziell wieder gut. Bei diesem Vorstrafenakt kommt das Gericht um eine unbedingte Haftstrafe nicht herum. Zudem wurde der Widerruf einer vorherigen Verurteilung beantragt (sechs Monate Haft).
Richtungweisendes Urteil
Richter Bruno Angerer überlegte lange und traf eine richtungweisende Entscheidung: vier Monate Haft, mit einem Jahr Haftaufschub. "Sollte in diesem Jahr nichts passieren, wird eine nachträgliche Strafmilderung gewährt und sie müssen nicht in Haft."
"Dieses Urteil beweist, dass unser Rechtssystem schicksalhaft straffällig gewordenen Menschen einen Ausweg aus der Sackgasse des Lebens weisen kann", so Hermann Holzmann, der Anwalt des Angeklagten.










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