07.10.2020 06:00 |

Falschaussage-Verdacht

Ermittlungen gegen Casinos-Chefin Glatz-Kremsner

Nächster Paukenschlag bei den Casinos Austria: Laut der „Krone“ vorliegenden Unterlagen wird gegen deren Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner wegen Verdachts der falschen Beweisaussage vor der Staatsanwaltschaft ermittelt - und zwar in gleich sechs Punkten. Unter anderem dürfte sie entgegen ihren Angaben doch Unterstützung seitens der ÖVP für ihre Bestellung als Casinos-Chefin erhalten haben - das legen SMS nahe.

In der Vorwoche berichtete die „Krone“, dass Bettina Glatz-Kremsner, Generaldirektorin der Casinos Austria und Ex-ÖVP-Vizeparteichefin, im Ibiza-U-Ausschuss ausgesagt hatte, dass sie mit Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nie über FPÖ-Mann und Ex-Casinos-Vorstand Peter Sidlo gesprochen habe - weil SMS an ihren Angaben zweifeln lassen, droht ihr nun eine Anzeige wegen Falschaussage.

Verdacht der falschen Beweisaussage
Die drohende Anzeige dürfte aber noch das geringste Übel für Glatz-Kremsner sein. Wie nämlich aus einer der „Krone“ vorliegenden Mitteilung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft vom 30. September an Glatz-Kremsner hervorgeht, hat nun auch sie ein Ermittlungsverfahren am Hals - und zwar wegen Verdachts der falschen Beweisaussage. Sie ist „verdächtigt, am 29. Juni 2020 in Wien als Zeugin in einem Ermittlungsverfahren nach der Strafprozessordnung vor der Staatsanwaltschaft bei ihrer Vernehmung falsch ausgesagt zu haben“, heißt es.

Anschließend sind in der Mitteilung sechs Punkte mit jeweils einer Aussage von Glatz-Kremsner aufgelistet, die ihr noch zum Verhängnis werden könnten. Der brisanteste Punkt: Die Frage, ob sie Signale habe, dass sie im Vorfeld ihrer Bestellung als Casinos-Chefin im März 2019 Unterstützung von ihren Kontakten aus dem Finanzministerium - konkret dem damaligen Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP), dessen Generalsekretär und nunmehrigen ÖBAG-Chef Thomas Schmid und dem damaligen Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs (FPÖ) - oder der ÖVP-Parteispitze erhalten habe, verneinte sie und meinte, ihr sei dazu nichts Konkretes bekannt.

„Äußerst positiver Termin“ mit Kanzler Kurz
Allerdings lassen in der Mitteilung zitierte SMS zwischen Glatz-Kremsner und Schmid an ihren Angaben zweifeln. Vor ihrer Bestellung schrieb sie Schmid, dass sie Gegenwind spüren würde: „Scheinbar ist für einige meine Parteifunktion ein Problem.“ Und dass sie deshalb versuchen werde, „mit dem BK (Bundeskanzler Sebastian Kurz, ÖVP, Anm.) zu reden“. Nach ihrer Bestellung schrieb sie auf Schmids Frage, ob sie ihre Bestellung feiern konnte: „Ja - ein wenig - war gerade beim BK!!“ Und: „War ein äußerst positiver Termin. Habe mich bedankt - auch für Deine Unterstützung.“

Sandra Schieder, Kronen Zeitung

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