30 Jahre lang bewirtschaftete ein renommierter Unternehmer Jagdreviere in der Kelchsau (Tirol), investierte jährlich Hunderttausende Euro. Trotzdem sägten ihn die Bundesforste als Pächter ab. Die „Krone“ kennt die Hintergründe.
Der Fall sorgt für einiges Aufsehen und auch Unmut in der Tiroler Jägerschaft, handelt es sich doch bei den Revieren Langer Grund Süd und Nord um ein Jagdgebiet, das mehr als 30 Jahre lang offenbar bestens bewirtschaftet wurde. Und zwar von einem Milliardär im Umfeld des Sandoz-Konzerns.
„Er trug in dieser Zeit Kosten von deutlich über 300.000 Euro pro Jahr für Pacht, Berufsjäger, Fütterungskosten etc., was eine außergewöhnlich hohe Belastung darstellt“, ist aus Insiderkreisen der Tiroler Jägerschaft zu erfahren.
Frage nach der volkswirtschaftlichen Verantwortung
Nach mehr als 30 Jahren gedeihlicher Zusammenarbeit weigerten sich die Bundesforste (ÖBf) 2023, den Pachtvertrag zu verlängern. Die offizielle Begründung lautete, die Abschussquoten seien nicht erfüllt worden, was aber offenbar nur die halbe Wahrheit ist: Tatsächlich sei zum Vertragsende hin weniger geschossen worden, „bedingt durch Frust des langjährigen Pächters über das bevorstehende Aus in seinem Revier“.
Dennoch sei seine Quote im letzten Jahr noch immer 200 Prozent über dem gelegen, was die Bundesforste im ersten Jahr ihrer Eigenbewirtschaftung abgeliefert haben. Es stelle sich innerhalb der Jägerschaft also schon die Frage, „ob in Revieren der Bundesforste die volkswirtschaftliche Verantwortung tatsächlich wahrgenommen wird“.
Für die beiden Reviere fallen neben Personalkosten jährlich bis zu 30.000 Euro für Fütterung sowie für Maßnahmen gegen Wildverbiss an. Demgegenüber steht eine deutliche Reduktion der Wildschäden sowie Einnahmen aus der Vermarktung der Jagd.
Stellungnahme der Österreichischen Bundesforste (ÖBf)
Milliardär investierte sechsstellige Summe jährlich
Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass der langjährige Pächter jährlich viel Geld in das Revier investiert habe und dieser Betrag nun vom Steuerzahler aufgebracht werden müsse. Und zum Thema soziale Verantwortung: Der über mehrere Jahrzehnte angestellte Berufsjäger sei nicht weiterbeschäftigt worden, obwohl er kurz vor der Pensionierung stand.
ÖBf: Hohe Wildschäden im Wald
In einer Stellungnahme der Bundesforste heißt es, dem Berufsjäger sei eine Weiteranstellung angeboten worden, dieser habe jedoch abgelehnt. Der Grund für die Nicht-Verlängerung des Vertrages des Vorpächters seien „in erster Linie zu hohe Wildschäden“ gewesen.
Das kleinere Revier „Langer Grund Nord“ werde seit über zehn Jahren, das Revier „Langer Grund Süd“ seit 2023 laut ÖBf überwiegend in Eigenbewirtschaftung betreut. Teilflächen beider Reviere seien über Abschussverträge vergeben. Tatsächlich ist die Abschussquote – wie von den Tiroler Jägern moniert – im Jagdjahr 2024/25 auf 42 Prozent bei Rotwild gesunken, auf alle Wildarten gerechnet auf 62 Prozent, nachdem es im Jahr zuvor noch 101 Prozent waren.
Ursache für Rückgang der Abschussquote
„Eine Entwicklung, die auch im gesamten Hegebezirk spürbar war. Ein Grund für diesen Rückgang ist die starke Präsenz des Wolfes im Langen Grund. Die Bundesforste arbeiten daher bereits eng mit Expertinnen und Experten des Tiroler Jägerverbandes zusammen. Zusätzlich startet das Land Tirol noch im Herbst ein aktives Wolfsmonitoring in dieser Region“, betonen die Bundesforste.
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