03.10.2020 12:55 |

Relaisrechner Zuse Z4

Handbuch für ältesten erhaltenen Computer gefunden

In Zürich ist ein lange verschollenes historisches Dokument gefunden worden: die Gebrauchsanleitung für den ältesten erhaltenen Computer, den Zuse Z4 von 1945. Die Eidgenössische Technische Hochschule hatte den Rechner - der einzige in Kontinentaleuropa, der 1950 funktionsfähig war - gemietet.

Erfinder der Relaisrechenmaschine Z4 war der deutsche Bauingenieur Konrad Zuse. Er verfasste wohl auch die ursprüngliche Bedienungsanleitung, wie der Technikhistoriker Herbert Bruderer berichtet. Der Mathematiker Heinz Rutishauser, der unter Institutsleiter Eduard Stiefel am Institut für angewandte Mathematik der ETH Zürich arbeitete, übersetzte und überarbeitete Zuses Original.

Auf die Spur seines Dokuments kam Bruderer dank der ETH-Archivarin Evelyn Boesch. Sie teilte ihm im März 2020 mit, ihr Vater Rene Boesch, der ab 1956 am Institut für Flugzeugstatik der ETH angestellt war, habe historische Dokumente aufbewahrt. Darunter war auch die Gebrauchsanleitung. Der Z4 war nämlich für Rechenaufgaben für Flugzeuge und Raketen benutzt worden, namentlich streng geheime Berechnungen für das Strahlflugzeug P-16.

Mit Bruderer war die Archivarin Boesch an den Richtigen geraten: Er hatte neben anderen Büchern über Meilensteine der Rechentechnik 2012 eins mit dem Titel „Konrad Zuse und die Schweiz“ publiziert. In Boeschs Dokumentenkonvolut fand Bruderer auch handschriftliche Aufzeichnungen über sogenannte Flatterrechnungen. „Beim P-16 war für 2,4 Sekunden Flugzeit eine Rechenzeit von 50 Stunden nötig“, schreibt Bruderer in seiner Studie.

100 Arbeiten ausgeführt
Rund 100 Arbeiten führte der gemietete Z4 von 1950 bis 1955 aus, wie der einstige ETH-Mathematiker Rutishauser Bruderer erzählte. Darunter waren beispielsweise auch Flugbahnberechnungen für Raketen von Oerlikon Bührle, Flugzeugflügel für die Eidgenössischen Flugzeugwerke in Emmen LU oder Sturzflug-Berechnungen für die Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein.

Für ihre Berechnungen benötigten die Ingenieure den „bedingten Sprung“, die Verzweigung eines Programms, das unter bestimmten Bedingungen an zwei verschiedenen Stellen weiterrechnet. Über diese Funktion verfügte der Zuse Z4 ursprünglich nicht, sie wurde eigens für die ETH nachträglich eingebaut. Zu Bruderers Bedauern konnten sich die Zeitzeugen nicht mehr erinnern, wie der „bedingte Sprung“ ausgeführt wurde. In der nun aufgefundenen Gebrauchsanleitung hat er die Antwort gefunden: Sie steht auf Seite acht, wie der Computerhistoriker berichtet.

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