23.09.2020 13:30 |

Seelische Misshandlung

Spezialeinheit verhaftet „Jesus von Sibirien“

Er sah sich als Wiedergeburt von Jesus Christus: Sergej Torop faszinierte seine Jünger, die mit ihm über Jahrzehnte fernab des öffentlichen Lebens in der sibirischen Taiga lebten. Jetzt wurde der auch als „Jesus von Sibirien“ bekannte Sektenführer wegen „seelischer Misshandlung“ verhaftet.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Dienstag nahmen Spezialeinheiten der russischen Polizei den 59-Jährigen zusammen mit zwei Helfern in einer abgelegenen Siedlung in der sibirischen Region Krasnojarsk fest. Die Ermittler werfen dem selbst ernannten Messias vor, Anhänger finanziell ausgenommen und seelisch misshandelt zu haben.

Erweckungserlebnis
Der frühere Verkehrspolizist Torop hat nach eigenen Worten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine „Erweckung“ erlebt. 1991 gründete er eine Sekte namens Kirche des Letzten Testaments. Sie hat Tausende Anhänger, die in abgelegenen Siedlungen in Sibirien leben. 1995 gründeten Anhänger der Sekte die Siedlung „Stadt der Sonne“ in der sibirischen Region Kuraga.

Selbst weniger fromm
In den 90er-Jahren waren mehrere Sektenmitglieder durch Suizide oder infolge der harten Lebensbedingungen und mangelnder medizinischen Versorgung gestorben. Einem Bericht der BBC zufolge war den Anhängern neben Alkohol und Zigaretten auch der Konsum von Fleisch, Kaffee, Tee, Zucker, Hefebrot und Weizenprodukten untersagt. Torop selbst dürfte die Vorschriften nicht ganz so ernst genommen haben: In seiner Unterkunft wurden Schusswaffen, Munition und Alkohol gefunden.

Mindestens zwei Monate Haft
Der selbst ernannte „Jesus von Sibirien“ und seine zwei wichtigsten Helfer müssen nun bis zum Beginn ihres Prozesses, mindestens aber bis zum 22. November in Haft. Das entschied ein Gericht in Nowosibirsk.

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