Posten-Zirkus

Die "strahlende" Zukunft der Ex-Spitzenpolitiker

Österreich
02.10.2010 18:49
Geld stinkt nicht – und so suchen ehemals führende Politiker nicht immer Arbeit, sondern eher lukrative Posten. "Krone"-Innenpolitik-Redakteur Claus Pándi über Wolfgang Schüssels "strahlende" Zukunft und wie sich andere Ex-Spitzenpolitiker um prall gefüllte Futtertröge drängeln.

Übrig geblieben ist nur Wilhelm Molterer. Für den glücklosen Finanzminister findet sich kein Job. Und das trotz intensiver Bemühungen einiger seiner Parteifreunde – irgendwie muss es an der Qualifikation hapern. Kurz war einmal davon die Rede, Molterer könnte bei der Potsdamer Beratungsfirma des umstrittenen früheren EU-Industriekommissars Günter Verheugen anheuern.

Richtige Arbeit ist ohnedies selten gemeint, wenn es um die Versorgung nach der politischen Laufbahn geht. Eine der raren Ausnahmen mag vielleicht Ex-Kanzler Viktor Klima (SPÖ) sein. Der hat als VW-Manager zuerst für Argentinien und seit 2007 für ganz Südamerika eine beeindruckende Leistung hingelegt.

Typischer als Klimas zweite, glanzvollere Karriere sind da schon andere ehemalige Bundeskanzler. Der kranke Bruno Kreisky (SPÖ) hatte sich noch darauf beschränkt, nach dem Ende seiner Ära kluge Bücher zu schreiben und unerwünschte Ratschläge zu geben. Hingegen haben sich SPÖ-Altkanzler Franz Vranitzky (WestLB, Magna, TUI), Wolfgang Schüssel (ÖVP) und Alfred Gusenbauer (SPÖ)vor allem darauf konzentriert, das große Geld zu verdienen.

Dabei zeigen die Herrschaften wenig Berührungsängste. Wolfgang Schüssel (66) beispielsweise lässt sich sein Ausgedinge als kanzlerpensionierter ÖVP-Abgeordneter von der deutschen Atomlobby versüßen. Für eine kolportierte Jahresgage von rund 117.000 Euro hat sich Schüssel im Aufsichtsrat eines der größten Energiekonzerne Europas eingenistet – der Rheinisch-Westfälischen ElektrizitätswerkAG, kurz: RWE. Mit fünf Kernkraftwerken von Biblis bis Emsland setzt Schüssel auf eine strahlende Altersvorsorge.

Anteilseigner des atomaren Netzwerks RWE, bei der Schüssel jetzt an den Schalthebeln sitzt, ist übrigens die Münchner RückversicherungsAG. Und wie es der Zufall will, hat dort wiederum die ehemalige EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) erst vor wenigen Monaten ein prächtig dotiertes Plätzchen im Aufsichtsrat gefunden. Offenbar eine Erbpacht für arbeitslose EU-Kommissare. Denn zuvor saß dort bis zu seinem Herztod im Sommer 2009 der frühere niederländische EU-Verkehrskommissar Karel Van Miert seine Pension ab. Interessenkonflikte könnte eine andere (von der Brüsseler Ethik-Kommission flagrant übersehene) Nebeneinkunft Ferrero-Waldners bringen: Als Aufsichtsrätin in der spanischen Gamesa Corporacion Tecnologica hat sie mit dem EU-geförderten Solarstromprojekt Desertec in Afrikas Wüste zu tun. Aber Ferrero-Waldner weiß aus Erfahrung, dass Kritik meist rasch versickert, während die Honorare munter weitersprudeln.

Ebenfalls in atomare Nähe gerückt ist Brigitte Ederer nach ihrer Zeit als EU-Staatssekretärin für die SPÖ. Als Personalchefin des Industriegiganten Siemens wird sie wohl einige Nuklear-Fachleute unter Vertrag nehmen. Möchte Siemens doch gemeinsam mit dem russischen Kernkraftmonopolisten Rosatom bald ein Drittel des AKW-Weltmarktes kontrollieren. Dass Alfred Gusenbauer bei seinen vielen Geldquellen nicht die Übersicht verloren hat, ist vielleicht seine bemerkenswerteste Leistung. Möglicherweise ist ihm bei seinem Posten als Strabag-Aufsichtsratschef entgangen, dass der Baumulti den Zuschlag zum Ausbau des AKW Mochovce ergattern konnte.

Kleine Fische sind der ehemalige EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler und der im Europa-Parlament vergessene Ex-Innenminister Ernst Strasser (beide ÖVP). Beide halten sich mit diversen Beraterverträgen über Wasser. Und im Getöse um Karl-Heinz Grasser untergegangen ist der ehemalige Linksaußen-Finanzminister Ferdinand Lacina (SPÖ). Als Aufsichtsratsvize der Bank Medici war Lacina ins Getümmel rund um Madoffs Milliarden-Pleite geraten. Lacina ist sich freilich keiner Schuld bewusst.

aus "Politik am Sonntag", Kronen Zeitung

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