Wien-Wahl 2010

Politiker diskutieren die "Bedrohlichkeit" des Islams

Wien
02.10.2010 10:19
"Wie bedrohlich ist der Islam?" - Diese Frage haben Vertreter der SP, FP, der Grünen, des BZÖ und der KP im Rahmen einer Podiumsdiskussion des Österreichisch-Arabischen Kulturzentrums (OKAZ) in Wien am Freitagabend zu beantworten versucht. Auch eine VP-Politikerin war geladen, sie sagte ihre Teilnahme jedoch kurzfristig ab. Die vier Stunden dauernde Debatte drehte sich unter anderem um die Themen Zuwanderung, Rassismus, Integration und Kopftuchträgerinnen - ob der Islam nun eine Gefahr darstellt oder nicht, das blieb am Ende allerdings offen.

Besonders heftige Kritik von seinen Gesprächspartnern erntete der nicht amtsführende FPÖ-Stadtrat Johann Herzog für eine Feststellung in punkto Zuwanderung: "Die Österreicher sind Eigentümer eines Hauses. Sie können bestimmen, wen sie hereinlassen und zu welchen Bedingungen." Wenn man versuche, die Lebenswelt von Einwanderern nach Österreich zu übertragen, sei "das Ende vom Lied" eine Parallelgesellschaft, ortete er eine Gefahr.

Der muslimische SPÖ-Gemeinderatsabgeordnete Omar Al-Rawi entgegnete Herzog: "Sie haben übersehen, dass es viele Menschen gibt, die schon in diesem Haus leben." Er sehe eine "heuchlerische Diskussion" bei den Freiheitlichen. Das Kopftuch sei kein Thema gewesen, solange die muslimische Frau als Putzfrau tätig war. Erst seitdem sie qualifizierteren Berufen nachgehe, werde darüber diskutiert. Er kritisierte zudem, dass in Wien der Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen werde. Immerhin hätten zwei Drittel der Bewohner einen Migrationshintergrund. Wien sei bereits ein Schmelztiegel der Kulturen - doch das würden viele nicht bemerken.

Die Grünen-Bezirksrätin Zerife Yatkin sah sich bei den Ausführungen Herzogs an "Kolonialzeiten" erinnert. Man müsse sich die Frage stellen, was man unternehmen könne, um Migranten willkommen zu heißen, forderte sie. Zunehmende Ausgrenzung und Rassismus würden Widerstand erzeugen. Eine Antwort darauf sei zum Beispiel das Kopftuch: "Die Frauen sehen das Kopftuch als neuen Emanzipationsweg", weiß die Politikerin aus persönlichen Gesprächen mit einigen Trägerinnen zu berichten. Überdies plädierte sie für mehr Offenheit: "Hören wir auf, zwei Menschen, die sich in einer anderen Sprache unterhalten, als Gefahr wahrzunehmen."

KPÖ-Bezirksratskandidat Michael Graber konnte den Ausführungen des FPÖ-Stadtrats ebenfalls nichts abgewinnen: "Was wir unter Integration nicht verstehen ist Anpassung. Das ist das, was die FPÖ fordert." Die KPÖ sei der Meinung, dass Integration mit den gleichen Rechten für alle beginne.

Mit einer laut eigenen Angaben "provokanten These" wartete der ehemalige BZÖ-Landeschef Günther Barnet im Rahmen der Diskussion auf. Der Islam habe im Gegensatz zum Christentum den geistesgeschichtlichen Schritt durch die Aufklärung noch nicht gemacht, so seine Meinung. Dieser Weg würde die Erkenntnis bringen, dass man Überlegungen nicht aus der Religion ableiten könne.

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