17.09.2020 11:47 |

Wann kommt Impfstoff?

Trump widerspricht Experten und stiftet Verwirrung

„Wir stehen kurz vor einem Impfstoff.“ Mit dieser Aussage hat US-Präsident Donald Trump vor wenigen Tagen für Aufsehen gesorgt. Doch nun ist die Verwirrung groß. Geht sich die Produktion des weltweit gesuchten Corona-Impfstoffs tatsächlich noch bis zur Präsidentschaftswahl im November aus? Trumps eigene Gesundheitsbehörde widerspricht dieser Prognose ganz klar.

Einer seiner medizinischen Berater, der Radiologe Scott Atlas, stellte nämlich 700 Millionen verfügbare Impfstoffdosen bis Ende März in Aussicht. Zuvor hatte der Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, die für die Versorgung mit Impfstoffen zuständig ist, Mitte kommenden Jahres als Zeithorizont genannt. „Wenn Sie mich fragen, wann das allgemein für die amerikanische Bevölkerung verfügbar sein wird, damit wir die Impfung nutzen und zu unserem normalen Leben zurückkehren können, dann schauen wir, denke ich, in Richtung des späten zweiten oder des dritten Quartals 2021“, sagte Robert Redfield bei einer Anhörung im US-Senat. Er stand dabei unter Eid.

Trump spricht von „verwirrtem“ Experten
Die Reaktion Trumps auf diese Expertenaussage: „Ich denke, er hat vermutlich die Frage falsch verstanden. Ich denke, er war verwirrt. Wir werden die Impfung viel schneller verteilen. Vielleicht kennt er sich nicht mit dem Verteilungsprozess aus.“ Der renommierte Immunologe Anthony Fauci bekräftigte wenig später in einem Live-Interview mit dem „Wall Street Journal“, dass er mit einer Rückkehr zur Normalität durch eine breite Impfkampagne erst Mitte bis Ende kommenden Jahres rechne.

Man werde zwar viele Menschen aus besonders gefährdeten Gruppen vermutlich bereits Anfang 2021 impfen können. „Aber die Idee, dass man die gesamte Bevölkerung, die sich impfen lassen will, binnen eines oder zwei Monaten impfen kann - das wird sehr, sehr schwer zu machen sein“, so Fauci. Zugleich schränkte er ein, dass man noch immer keine Gewissheit habe, dass es einen effizienten und sicheren Impfstoff geben werde - auch wenn er „vorsichtig optimistisch“ sei. Fauci hatte bereits vergangene Woche gesagt, dass er mit einer Effizienz von 70 bis 75 Prozent bei einem Corona-Impfstoff rechne.

Trump wirft Behörden absichtliches Hinauszögern vor
Der US-Präsident hatte bereits zuvor Mitarbeitern seiner eigenen Regierung vorgeworfen, absichtlich die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs zu bremsen. Die Corona-Krise mit mehr als 195.000 Todesfällen ist in den USA zu einem wichtigen Thema im Wahlkampf ums Weiße Haus geworden. Der amtierende Staatschef hatte mehrfach davon gesprochen, dass ein Impfstoff noch bis Ende Oktober zugelassen werden könnte - und damit vor der Präsidentenwahl am 3. November.

Auf die Frage eines Reporters, warum die US-Bürger Trump in der Pandemie vertrauen sollten, während er dem Chef seiner Gesundheitsbehörde widerspreche, sagte der Präsident: „Weil wir einen großartigen Job gemacht haben.“

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