Künftiger Diktator

Nordkorea zeigt erstmals Foto von Kim-Nachfolger

Ausland
30.09.2010 09:39
Nordkorea hat ein Foto des jüngsten Sohnes und mutmaßlichen Nachfolgers von Machthaber Kim Jong Il in den Staatsmedien veröffentlicht. Es ist das erste im Ausland bekanntgewordene Foto überhaupt, das den etwa 27-jährigen Kim Jong Un als Erwachsenen zeigt. Sein Name wird zusammen mit einem Bild genannt, das nordkoreanische Medien am Donnerstag veröffentlichten. Es zeigt Kim und seinen Vater Kim Jong Il in einer Gruppe von Funktionären der kommunistischen Partei des Landes.

Die Veröffentlichung kam zwei Tage, nachdem der Machthaber seinen Sohn im Rahmen eines Parteitreffens in die erweiterte Führungsriege der Partei aufgenommen und ihn damit praktisch zum Nachfolger ernannt hatte.

Vor dem größten Treffen der Partei seit 30 Jahren am Dienstag in Pjöngjang hatte Kim Jong Il dem Sohn bereits den Rang eines Vier-Sterne-Generals verliehen. Kim Jong Un steht nach Erkenntnissen von Nordkorea-Kennern schon seit längerem als Nachfolger des gesundheitlich angeschlagenen Machthabers fest.

Künftiger Staatschef schüchtern und introvertiert
Kim Jong Un wurde um das Jahr 1983 geboren. Seine Mutter war die die dritte Frau Kim Jong Ils, die Tänzerin Ko Yong Hi. Ko starb Medienberichten zufolge vor gut fünf Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Sohn soll bis 1998 unter anderem Namen in der Schweiz die International School of Berne besucht haben.

Das Schweizer Wochenmagazin "L'Hebdo" berichtete heuer im März, Kim habe die Schule im Alter von 15 Jahren ohne Abschluss verlassen. Seine Mitschüler hätten ihn als schüchtern und introvertiert beschrieben. Er sei gerne Ski gefahren und habe sich für Basketball interessiert. Zudem galt er als großer Bewunderer des US- Basketballstars Michael Jordan und des Actionfilm- Schauspielers Jean- Claude Van Damme.

Militärgespräche mit Südkorea ergebnislos
Indes sind die ersten Militärgespräche zwischen Nord- und Südkorea seit zwei Jahren ergebnislos geblieben. Das teilte das südkoreanische Verteidigungsministerium in Seoul mit. Bei dem Treffen im Waffenstillstandsort Panmunjom habe die südkoreanische Delegation am Donnerstag eine Entschuldigung Pjöngjangs für die Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffs im März und die Bestrafung der für den Zwischenfall Verantwortlichen gefordert.

Bei dem Vorfall waren 46 südkoreanische Seeleute ums Leben gekommen, internationale Ermittler machten Nordkorea für die Versenkung des Schiffs verantwortlich. Das Verteidigungsministerium in Seoul teilte mit, die nordkoreanische Delegation habe erklärt, sie könne das Ergebnis der internationalen Untersuchung nicht akzeptieren.

Pjöngjang: Atomare Abschreckung wird ausgebaut
Am Mittwoch hatte der nordkoreanische Vizeaußenminister Pak Kil Yon außerdem in der UNo-Vollversammlung erklärt, Pjöngjang werde sein Atomwaffenarsenal als Abschreckung gegen eine amerikanische Bedrohung weiter ausbauen.

"Solange amerikanische atomare Flugzeugträger in den Gewässern um unser Land sind, kann unsere atomare Abschreckung niemals aufgegeben werden, sondern sollte weiter ausgeweitet werden", sagte Pak. Nordkorea gibt routinemäßig derartige Erklärungen ab.

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