Adventure für Helden

Märchenhafte Abenteuer erleben in “Tale of a Hero”

Spiele
23.09.2010 16:05
Olafs größtes Problem ist seine Verlobte Alia, die kein Fan seiner Helden-Ambitionen ist, die ihn immer wieder in Gefahr bringen. Insbesondere, da er zwar auf harter Kerl macht, dann aber doch ganz gern mit Monstern verhandelt, anstatt sie um die Ecke zu bringen. Gerade als er sich anschickt, Alia zu besänftigen, ereilt ihn der Ruf der Hexe Pripogala – und schon ist Olaf mittendrin in einer neuen Heldengeschichte.

Pripogala warnt Olaf: Sein Vater hat einst im Auftrag des Königs Titanen getötet, der Bruder eines solchen sinnt nun auf Rache. Um ihn aufzuhalten und zudem seine Jugendfreundin, Prinzessin Erea, zu retten, beginnt für den jungen Helden eine weite Reise, die ihn unter anderem zu einem wahrsagenden Pilz, auf den Meeresboden und ins ewige Eis führt.

"Tale of a Hero" ist schon vier Jahre alt, doch erst jetzt erscheint es in deutscher Sprachausgabe. Grafisch ist das Spiel daher deutlich veraltet – das war es allerdings wohl schon bei der Veröffentlichung. Nichts desto trotz gelingt es dem Adventure, mit schönen Hintergründen – besonders unter Wasser – märchenhafte Stimmung zu verbreiten. Den Hauptteil zur Atmosphäre tragen jedoch die Sprecher bei, denen ein großes Lob gebührt – lediglich eine weibliche Figur, die zum Glück erst am Ende des Spiels auftaucht, klingt übertrieben und enorm nervig. 

Der Rest der Wesen, denen Olaf über den Weg läuft und schwimmt, ist jedoch wunderbar getroffen. Ob warmherzig oder kaltschnäuzig, mutig oder großmäulig, Titan oder Krabbe – die Figuren erwachen zum Leben und wachsen dank vieler witziger Einfälle ans Herz. Wie oft kommt es schließlich vor, dass eine dauerplappernde Muschel mit Maulsperre kuriert werden muss und ein griesgrämiger Tintenfisch mit seinen Tentakeln unflätige Gesten vollführt?

Tatsächlich überrascht "Tale of a Hero" an mehreren Stellen, wenn es scheinbar klare Adventure-Konventionen und allzu offensichtliche Rätselketten über Bord wirft. Dennoch sind die Rätsel meist logisch aufgebaut, an manchen Stellen gibt es sogar verschiedene Lösungswege. Dass alle Rätsel mittels Inhalt des Inventars gelöst werden, ist zwar nicht sehr abwechslungsreich, fällt aber nicht störend auf. Hilfe gibt es allerdings keine, was bei den Rätseln durch Ausprobieren meist kein Problem ist. 

Allerdings sind einige dennoch nur schwer lösbar – und das hat der größte Kritikpunkt am Spiel zu verantworten: Hotspots sind in vielen Fällen fast nicht zu sehen. Ohne Lösung ist ein Weiterkommen oftmals nicht möglich, denn zahlreiche Gegenstände und veränderbare Teile der Spielwelt sind kaum zu entdecken. Der Cursor gibt keine Hinweise, auch eine Hotspot-Anzeige fehlt – millimetergenaues Absuchen der Locations wird so zum notwendigen Übel. 

Hier hätte bei der deutschen Neuauflage dringend nachgelegt werden müssen, zumal Olaf durch die zahlreichen Locations bereits genug Zeit mit Herumlaufen verbringt. Seine gemächlichen Bewegungen, insbesondere unter Wasser, hemmen den Spielfluss ebenfalls, dieses Manko wird jedoch durch den schnellen Wechsel zum nächsten Bildschirm per Doppelklick abgemildert. 

Fazit: "Tale of a Hero" hat einige Schwächen, neben der fehlenden Hotspot-Anzeige hätte auch das Ende des Spiels eine liebevollere Ausarbeitung verdient, es kommt etwas abrupt und fällt gegen die übrige Geschichte ab. Dank vieler sympathischer Charaktere, guter Sprecher, lustiger Dialoge, einer märchenhaften Story und der logisch eingebundenen Rätsel ist "Tale of a Hero" dennoch ein gutes Adventure, das für viele Stunden an den Bildschirm fesselt.

Plattform: PC
Publisher: Daedalic
krone.at-Wertung: 7/10

von Bernadette Geißler

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