22.09.2010 12:29 |

Chaos im Kreißsaal

Externe Hebammen sollen im AKH Engpässe beheben

Infolge der Krankenstände einiger Hebammen im Wiener AKH und der damit einhergehenden Personalnot im Kreißsaalbereich hat die Spitalleitung nun einen "Pool von mit dem AKH vertraglich verbundenen externen Hebammen" geschaffen, um die Versorgung zu gewährleisten. Das teilten der Ärztliche Direktor, Reinhard Krepler, und der Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Peter Husslein, am Mittwoch mit.

Laut Husslein ist ein reibungsloser Arbeitsablauf "mit ausreichend vielen Hebammen in unserem Kreißsaal und der Präpartalen Station" nun wieder gewährleistet. Der zwischenzeitlich eingeschränkte Betrieb laufe nun wieder in vollem Umfang, hieß es.

Zu Personalengpässen im Geburtenbereich war es gekommen, nachdem ein Teil der Hebammen am Dienstag krankheitsbedingt nicht am Arbeitsplatz erschienen war. Bereits seit Wochen schwelt eine Debatte um vermutete Missstände im Wiener AKH, bei der es neben einem beklagten Mangel an technischer Ausrüstung auch um die Arbeitssituation des Hebammenpersonals geht. Die Grünen hatten deshalb vor kurzem das Kontrollamt eingeschalten.

Offensichtliche "Protestkrankenständen" geortet
Husslein vermutete am Dienstag das Ausbleiben der Mitarbeiterinnen als Folge dieses Konflikts, indem er von "offensichtlichen Protestkrankenständen" sprach. Der Anwalt der Hebammen, Marcus Essl, versicherte daraufhin, seine Mandantinnen seien wirklich krank. Während neben den Grünen auch die VP die SP-Stadtregierung kritisierte, bemühten sich SP und AKH um Beruhigung. Die Personalevaluierung sei bereits in die Wege geleitet worden, bei Bedarf könne es - neben der bereits fixierten Stelle für eine zusätzliche Oberhebamme - weitere Posten geben, hieß es.

Veraltete Geräte, mangelnde Hygiene für Patienten und katastrophale Arbeitsbedingungen für das Personal - seit Monaten kämpfen die Hebammen im AKH um eine Verbesserung, sogar per Anwalt. Doch bislang ist nichts passierte. Jetzt meldeten sich zehn von 35 Gebursthelferinnen krank. Die Folge: Chaotische Zustände im Kreißsaal.

Chaos in Kreißsälen am AKH
"Wir haben alles im Griff. Zehn Hebammen sind krank – die Geburten übernehmen jetzt Ärzte und Aushilfen", hatte AKH-Chef Krepler im "Krone"-Gespräch am Dienstag verkündet. Doch Minuten später brach offenbar das Chaos aus. Die Kreißsäle platzten aus allen Nähten – denn es gab mehr Geburten als Personal. Die Verantwortlichen mussten schnell handeln und werdende Mütter in andere Spitäler bringen lassen.

Sigrid Pilz, Gesundheitssprecherin der Grünen erklärte: "Natürlich muss man Patienten auslagern, wenn man sich nicht mehr in der Lage sieht, sie zu behandeln. Aber: Man wusste schon lange, unter welchen Bedingungen die Hebammen arbeiten. Und: Niemand reagierte bisher." Trotz des ewigen Hin- und Her bleibt nur eins zu hoffen: Dass nicht die Neugeborenen die Leidtragenden dieses Chaos sind.

von B. Blabsreiter, M. Pommer (Kronen Zeitung) und wien.krone.at

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