Yudaya ist acht Jahre alt. Sie hat keine Eltern mehr. Genauso wie der 16-jährige Herman. Offiziell sind deren Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen. Offiziell, aber in Wahrheit sind sie an Aids gestorben. Doch da dieses Thema in Afrika nach wie vor tabu ist, sagt man den Kindern nicht die Wahrheit. Deswegen liegt die Aidsrate nach wie vor bei 6,7 Prozent, mehr als 50 Prozent der Einwohner sind jünger als 15 Jahre alt.
Yudaya und Herman teilen ihr Schicksal mit Hunderttausenden Kindern in Uganda. Wer Glück hat, wird bei Verwandten aufgenommen, wer weniger Glück hat – und das ist leider die Mehrheit –, landet auf der Straße. Und ist dem sicheren Untergang geweiht.
Seit 2008 in Uganda
Als Stefan Pleger und Gabi Ziller im Februar 2008 zum ersten Mal in Uganda waren, wurden sie auf das Schicksal dieser Kinder aufmerksam. "Ein junger einheimischer Bursch' hat mich damals auf der Straße in Zigoti angesprochen. Er hat mir erzählt, dass er diesen Kindern helfen will und hat mich um Geld gebeten", schildert Pleger. Er hat sich in der Folge das Vorhaben genauer angesehen – und als ihm der junge Mann dann einige Wochen später per Mail ein Konzept vorgelegte, entschieden sich Stefan und Gabi, das Projekt "Kindern eine Chance" zu starten. Der junge Bursche von damals heißt übrigens Ian und arbeitet heute am Projekt mit.
"Zuerst haben wir in unserem Freundeskreis Spenden gesammelt. Das Projekt entwickelte sich dann aber schneller als erwartet. Und heute haben wir fast 450 Paten", erzählt Gabi.
Lebensaufgabe
Für Gabi und Stefan ist "Kindern eine Chance" mittlerweile zur Lebensaufgabe geworden. Stefan – der studierte Betriebswirt ist selbstständig – verbringt mittlerweile fünf bis sechs Monate pro Jahr in Uganda. Seine Lebensgefährtin Gabi (sie arbeitet in der Werbebranche) ist vier Monate pro Jahr im Herzen von Afrika. "Wir betreuen 440 Kinder in 15 Schulen und Heimen an fünf verschiedenen Orten", zeigt Pleger auf. Herzstück ist die Schule samt Internat in Zigoti, wo das ganze Jahr über 62 Kinder betreut werden. Mädchen und Burschen im Alter zwischen fünf und 18 Jahren.
In Zigoti haben auch Stefan und Gabi ihre Zelte aufgeschlagen. Sie haben sich dort eine kleine Farm errichtet. Ganz im Stile des dortigen Landes. "Wir leben hier so wie die Menschen im Land. Das ist wichtig, wir wollen den Menschen das Gefühl vermitteln, dass wir ihnen auf Augenhöhe gegenübertreten", sagt Stefan Pleger. Das ist auch der Grund, warum sie selbst kein Auto in Uganda haben. Immer, wenn sie irgendwo hinfahren, mieten sie sich wie die Einheimischen auch, ein Taxi. Nur so wird man auch wirklich akzeptiert. Es gibt nämlich viele "Muzungus" (so nennen die Einheimischen die Weißen), die mit ihren großen Allradwägen durch die staubigen Straßen des Landes fahren. "Und das vermittelt den Einheimischen natürlich das Gefühl, dass die Weißen von oben auf die Schwarzen herabschauen", so Pleger, der auch für "Ärzte ohne Grenzen", "Bruder und Schwester in Not" oder "SOS Kinderdorf" im Einsatz war.
80 Euro Lehrergehalt
Daher arbeiten sie auch eng mit den Einheimischen zusammen. 16 Mitarbeiter hat "Kindern eine Chance" mittlerweile vor Ort, ein Lehrer bekommt umgerechnet 80 Euro pro Monat. Das sind rund 220.000 Uganda-Schilling. Die Farm – es gibt dort Kühe, Schweine, Hühner und einen riesengroßen Garten – wird übrigens dazu genutzt, um den Kindern den Umgang mit der Landwirtschaft beizubringen.
Land Tirol hilft
"Wir haben hier gelernt, dass auch der Einzelne etwas gegen das große Elend im Land beitragen kann. Mit 10 Euro ermöglicht man einem Kind einen Monat lang den Schulbesuch samt Essen", zeigen Stefan und Gabi auf.
Nun hat sich auch das Land Tirol dazu entschlossen, das Vorhaben zu unterstützen – weitere Projekte folgen hoffentlich! Dass das Geld gut angelegt ist, davon konnte sich nun Finanzlandesrat Christian Switak bei einem Besuch überzeugen. Mit dem Geld wurde ein neues Internat finanziert. "Ich freue mich, dass inzwischen 62 Schüler das Internat bewohnen. All diese Kinder haben ihre Eltern verloren und waren völlig auf sich allein gestellt. Die Unterbringung im Internat gibt ihnen Schutz und die Möglichkeit zum Schulbesuch", so Switak.
von Markus Gassler, Tiroler Krone
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