Beruf mit Zukunft

Neue Schule für Game-Design startet in Wien

Spiele
20.09.2010 11:39
200 Millionen US-Dollar – so viel Geld hat das neue "Halo: Reach" allein am ersten Verkaufstag global eingespielt. Der Xbox-Shooter ist damit längst keine seltene Ausnahme mehr: Weltweit wird inzwischen mehr Geld für Video- und Computerspiele ausgegeben als an den Kinokassen. Mit einem jährlichen Umsatzzuwachs von durchschnittlich zehn Prozent gehört die europäische Game-Industrie zu den am schnellsten wachsenden Industriezweigen. Die Spieleschmieden suchen daher händeringend nach Fachkräften – auch hierzulande.

Erst vergangene Woche kündigte der Browsergameanbieter Bigpoint an, seine Belegschaft um 350 Mitarbeiter aufstocken zu wollen. 250 neue Arbeitsplätze sollen allein an den deutschen Standorten in Hamburg und Berlin entstehen. Auch die heimischen Gamestudios wie Greentube, Rabcat oder Sproing (siehe Infobox) suchen Verstärkung, wie Niki Laber, Präsident des Österreichischen Verbands für Unterhaltungssoftware, zu berichten weiß.

Mit dem Ziel, Fachkräfte nicht für teures Geld aus dem Ausland abzuwerben, sondern das in Österreich vorhandene Potential auszuschöpfen und qualifizierte Arbeitskräfte vor Ort auszubilden, rief der einstige Gründer von Rockstar Vienna daher die Interactive Media Academy ins Leben, die ab Herbst nun mit dem Wiener SAE Technology Institute fusioniert, um jungen Menschen eine Ausbildung zum "Spieleentwickler" zu ermöglichen.

Alles unter einem Dach
Während Laber das nötige Know-How und die Kontakte zur Industrie einbringt, steuert die seit 1987 in Wien ansässige SAE die Hardware bei. Das auf die Ausbildung im Bereich Tontechnik, Webdesign, Film und seit 2006 mit dem QANTM-College auch auf Game-Design spezialisierte Institut an der Linken Wienzeile bietet unter einem Dach alles, was angehende Entwickler von der Konzeption bis zur Fertigstellung ihrer Spiele benötigen – vom leistungsstarken Rechner angefangen über HD-Kameras und Greenboxen bis hin zu Tonstudios, in denen an Soundtracks und Synchronisierung der Games gefeilt werden kann. Auch Motion-Capturing, also das Aufzeichnen und Übertragen von Bewegungen auf ein im Computer generiertes 3D-Modell, soll hier künftig möglich sein.

In zwei Jahren zum "Spieleschmied"
Zunächst gilt es jedoch, das nötige Rüstzeug zu erlernen. Zwei Mal im Jahr, genauer Anfang Oktober bzw. Anfang April, können sich Interessierte daher für den zwölfmonatigen Diplom-Kurs zum "Spieleschmied" inskribieren. Während der 45 Wochenstunden Theorie plus anschließender Praxiszeiten bekommen die Studenten die Grundlagen der Programmierung und des Designs vermittelt, bevor sie sich auf eine Richtung spezialisieren, um mit dem in der Branche angesehenen "Games Programming Diploma" oder dem "Interactive Animation Diploma" abzuschließen.

Im daran anschließenden, ebenfalls ein Jahr dauernden Bachelor-Studiengang können das theoretische Wissen und die praktischen Fähigkeiten dann vertieft werden. Dabei sind neben den technischen und produktionsspezifischen Inhalten auch marktwirtschaftliche Themen wie Marketing oder Projektmanagement in den Lehrplan integriert, erklärt SAE-Leiterin Barbara Skoda. Am Ende der Ausbildung winken – abhängig von der Spezialisierung – die Titel "Bachelor of Arts" bzw. "Bachelor of Science", die von der Middlesex University in London verliehen werden.

Die Kosten für beide Kurse belaufen sich in Summe auf gut 16.000 Euro. Dafür erhalten Studenten nicht nur die Gelegenheit, in einem der knapp 60 SAE-Standorte weltweit Auslandserfahrungen zu sammeln, sondern können auch erste Kontakte zur Industrie knüpfen, beispielsweise zu den "SkiChallenge"-Machern von Greentube, die am Institut auch unterrichten. Darüber hinaus gibt es Kooperationen zu den Branchengrößen Sony, Microsoft und Nintendo.

"Hier bekommt man nix geschenkt"
Da man diesen Partnern gegenüber eine gewisse Verantwortung habe, sei das Lerntempo laut ÖVUS-Präsident Laber jedoch sehr hoch. Die Drop-Out-Rate liegt während der ersten Monate zwischen 30 und 50 Prozent. Obwohl es sich um eine Privatschule handle, bekomme niemand etwas geschenkt und müsse Leistung erbringen. Zwar beginnen alle Kurse bei null, ein gewisses Vorwissen und vor allem gute Englischkenntnisse sollten jedoch vorhanden sein. 

Egomanen unerwünscht
Als wichtigste Voraussetzung für angehende Entwickler sieht Laber jedoch die Teamfähigkeit. Egomanen seien in der Branche fehl am Platz. Ebenfalls wichtig, ergänzt Skoda, seien Flexibilität, die Fähigkeit, sich schnell auf andere Sachen einstellen zu können und ein breites Interesse. Ein "Super Mario" unterscheide sich nun mal stark von einem "Fifa".

"Back to the roots" in die Garage
Jobs gebe es jedenfalls überall, so Laber, der der Gaming-Zukunft dementsprechend positiv entgegen sieht. Die Nachfrage nach Fachkräften werde weiter steigen, nicht zuletzt auch dank der wachsenden Verbreitung von Smartphones, Tablets sowie sozialen Netzwerke, in denen sich sogenannte "Social Games" wie "Farmville" steigender Beliebtheit erfreuen. Insbesondere für die Macher kleinerer Independent Games ergäben sich daraus neue Chancen. Hätten über viele Jahre die großen Publisher dominiert, sei es nun auch wieder möglich, "zu zweit in der Garage zu entwickeln". "Back to the roots eben", wie Laber lachend sagt.

Weitere Infos
Wer Interesse bekommen hat und davon träumt, in der Spielebranche Fuß zu fassen, kann sich noch wenige Tage für den nächsten Kurs Anfang Oktober bewerben (siehe Infobox). Ein paar Restplätze sind noch frei. Weitere Informationen aus erster Hand bekommen Interessierte am kommenden Wochenende auch im Wiener Rathaus, wo die SAE im Rahmen der "Game City" mit einem eigenen Stand vertreten ist.

von Sebastian Räuchle

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