Amoklauf mit 4 Toten

D: Fehlgeburt und Sorgerechtsstreit als Motiv?

Ausland
20.09.2010 18:49
Ein Sorgerechtsstreit und eine Fehlgeburt waren möglicherweise die Auslöser für den Amoklauf im deutschen Lörrach mit insgesamt vier Todesopfern. Offenbar wollte die Täterin sogar noch sehr viel mehr Menschen ermorden als die drei von ihr umgebrachten und die drei angeschossenen Personen. Die Polizei fand 300 Schuss Munition, als sie die Kleidung der getöteten Amokläuferin durchsuchte.

Die 41-jährige Anwältin hatte am Sonntag zunächst den von ihr getrennt lebenden Ehemann und den gemeinsamen fünfjährigen Sohn getötet. Die Leiche des Ehemannes wies laut Polizei Schussverletzungen auf, deren Kaliber mit der Sportwaffe der Frau übereinstimmte. Die Pistole war auf der Besitzkarte der Rechtsanwältin eingetragen, die früher Mitglied in einem Sportschützenverein war. Wie der Sohn ums Leben kam, war zunächst noch unklar. Die Ermittler sagten, dass der Körper des Kindes "Einwirkungen stumpfer Gewalt" aufweise. Nach dem sich zeigenden Gesamtbild sei auch davon auszugehen, dass die Frau das Kind getötet habe.

Weiterhin unklar war, weshalb die Frau im Anschluss an die Tat in das nahe gelegene Elisabethenkrankenhaus rannte und dort ihren Amoklauf fortsetzte. Dort hatte sie am Eingang zwei Passanten zunächst angeschossen, bevor sie auf der gynäkologischen Abteilung einen Pfleger mit einem Dolch und der Pistole attackierte und tötete. Ein Polizist, der sich privat in der Klinik aufhielt, erlitt einen Kniedurchschuss und verlor große Mengen Blut.

Beamte erschossen Täterin auf Krankenhaus-Flur
Als Einsatzkräfte auf den Gang der Abteilung kamen, feuerte die Frau auf die Beamten. Die Amokläuferin schoss dann zehnmal auf die Tür eines Patientenzimmers, in dem sich sechs Besucher aufhielten. Die Beamten, die die Frau schließlich erschossen, hätten aus Notwehr gehandelt. "Ich bin sicher, dass die Beamten durch ihren beherzten Einsatz einer Vielzahl von Menschen das Leben gerettet haben", sagte der Einsatzleiter der Polizei, Michael Granzow. Später fanden die Beamten rund 300 Schuss Munition bei der Amokläuferin. 

Die Ermittler fanden heraus, dass die 41-Jährige im Jahr 2004 in dem Krankenhaus eine Fehlgeburt erlitten hatte. "Ob das der Grund für den Amoklauf war, wissen wir nicht. Wir können nur mitteilen, dass es das Geschehnis in der Biografie der Frau gab", sagte Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer. Der Chefarzt der Lörracher Klinik, der Gynäkologe Kurt Bischofberger, sagte, die Fehlgeburt habe sich in der 16. Schwangerschaftswoche ereignet. "Das Kind war nicht zu retten."

Der Lebensgefährte der Frau soll diese erst vor wenigen Wochen verlassen haben. Die "Badische Zeitung" berichtet unter Berufung auf Nachbarn, die Frau habe mit dem Vater des Kindes offenbar einen Sorgerechtsstreit ausgetragen. Die Frau sei als "schwierig und verbittert" wahrgenommen worden.

Debatte über Waffenbesitz flammt wieder auf
Die drei verletzten Opfer der Tat befinden sich nach Angaben der Polizei von Montagmittag außer Lebensgefahr. 

Angesichts des Amoklaufs zeichnete sich in Deutschland eine erneute Debatte um das Waffenrecht ab. Die landesweite Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen!" forderte am Montag ein totales Verbot. Die gesetzlichen Regelungen seien zu locker.

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