„Falstaff“-Abstimmung

Die Tiroler wählten ihre Lieblingsbäckerei

Tirol
16.08.2020 16:39
Porträt von Mirjana Mihajlovic
Von Mirjana Mihajlovic

Nach vier Jahren Teilnahme konnte sich die Bäckerei Waldhart in Telfs durchsetzen: 2020 entschied sie die „Falstaff“-Abstimmung zum Tiroler Lieblingsbäcker endlich für sich.

Stolz posiert Sebastian Waldhart mit seinem Sprössling Felix vor seiner Hausbäckerei in Telfs – sie wurde kürzlich mit 40 Prozent bei einer „Falstaff“-Abstimmung zu Tirols beliebtester Bäckerei gewählt. „Heutzutage ist es nicht so einfach, gegen Großbäckereien anzukommen. Es freut mich, wenn ich die Gratulationen auf Facebook und auf Instagram sehe“, zeigt sich der 29-Jährige bescheiden. Zwei Zutaten machen sein Erfolgsrezept aus: Zeit und Qualität.

Brot wird nicht gestresst
Damit das Brot besonders leicht zu verdauen ist, gibt ihm Waldhart nämlich mehr als genug Zeit: 22 Stunden vergehen, bevor ein kleineres Brötchen das Licht des Backofens erblickt. Große Brotlaibe werden am Vortag „gedampfelt“ und bekommen eine Ruhezeit von sechs Stunden. Zeit spielt auch im Beruf eine große Rolle: Für Waldhart geht der Tag um 23 Uhr los und endet um 6 Uhr in der Früh – eine der drei Filialen im Ort öffnet bereits eine Stunde zuvor.

Keine Chance bei 11 Cent
Von zehn Mitarbeitern ist einer ein Lehrling. Waldhart ist froh, dass er einen ergattern konnte: „In den letzten sechs Jahren wurde es immer schwieriger für Bäckereien, Lehrlinge zu finden. Der Beruf wirkt auf viele nicht attraktiv, vielleicht wegen der Nachtarbeit.“ Auch die „Großen“ hätten mit diesem Problem zu kämpfen.

Damit gemeint sind der Bäcker Ruetz und Baguette. Für Waldhart eher Segen als Fluch: „Durch sie ist der Markt bei uns gesättigt – so haben Billigbäckereien aus Deutschland keine Chance.“ Eher als Bedrohung sieht der Telfer Discounter und deren „Backstuben“. Gegen eine Semmel um 11 Cent kommt man nur schwer an, zudem wollen immer mehr Menschen gleich alles im selben Supermarkt kaufen.

Nichts landet im Abfall
Sauer stoßen dem Bäcker auch Werbungen auf, in denen vermittelt wird, dass die Produkte mit regionalen Zutaten produziert würden. Diese Qualität liegt der Familie Waldhart tatsächlich am Herzen: „Unsere Eier kommen von einem örtlichen Bauern, bei der Milch setzen wir auf das Zillertal.“

Und auch bei Waldhart bekommt man günstig Brot: Seit April ist die Bäckerei bei der neuen App „Too Good To Go“ registriert. Darüber werden Reste vertrieben, die sonst weggeschmissen werden müssten. Nur drei Euro kostet dort ein Sack voll „altem“, der normalerweise zehn Euro wert wäre. Zudem liefert die Bäckerei aus - was sich in Zeiten von Corona als besonders nützlich erwies.

„Am Ostersonntag hatten wir über 200 Bestellungen“, erinnert sich Waldhart. Der Lockdown hatte also auch positive Auswirkungen auf das Geschäft. Doch Waldhart weiß, dass es nicht jedem so erging.

Wertschätzung stieg an 
Ein weiterer positiver Effekt des Lockdowns war, dass viele anfingen, selbst Brot zu backen. „Da steigt die Wertschätzung für das, was wir jeden Tag machen“, freut sich Waldhart. Seine Tipps: Nicht auf Backmischungen, sondern auf hochwertige Zutaten zurückgreifen, genau ans Rezept halten und natürlich – dem Teig viel Zeit geben.

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