60. Geburtstag

„Im meinem Garten werd’ ich ein bissl zum Kind“

Oberösterreichs erfolgreichster Klassik-Export, Star-Dirigent Franz Welser-Möst, feiert kommenden Sonntag, den 16. August, seinen 60. Geburtstag. Rechtzeitig zum Jubiläum erschien auch seine Autobiografie. Im Interview erzählt er von Perfektionismus, Rückschlägen und wie er den Lockdown verbracht hat.

„Krone“:Keine Konzerte, keine Proben – wie haben Sie den Lockdown verbracht?

Franz Welser-Möst: Ich hab noch nie so ausgiebig gegartelt wie jetzt. Ich hab 1994 den Besitz von meinem Vater übernommen am Attersee. Das hat mein Großvater 1928 gekauft, das war eine saure Wiese, wo die Bauern froh waren, dass sie es losgekriegt haben. Ich danke meinem Großvater jeden Tag. Zum ersten Mal hab ich den Mai Zuhause verbracht. Das Blühen im Garten so zu erleben war tatsächlich eine neue Erfahrung. Man wird wieder ein bissl zum Kind und sagt: Oh, heute hat der Hibiskus angefangen zu blühen.

„Krone“: Jetzt sind Sie aber bei den Salzburger Festspielen im Einsatz – wie gewagt ist das in diesen Zeiten?

Welser-Möst: Wenn alles gut geht, werde ich Ende September wieder in Cleveland sein. Ich habe meinen Leuten dort dauernd von dem strengen und tollen Sicherheitskonzept bei den Festspielen berichtet. Denn das ist in der ganzen Musikwelt führend.

„Krone“: Sie haben beruflich alles erreicht, wo geht es hin? 

Welser-Möst: Wenn man versucht, genialen, großartigen Kunstwerken gerecht zu werden, dann ist das jedes Mal ein bissl ernüchternd. Man versucht es so perfekt wie möglich hinzukriegen. In dem Wissen, dass es Perfektion nicht gibt. Das ist wie in einer Beziehung. Natürlich ist der andere nicht perfekt. Aber man kann ja trotzdem miteinander glücklich sein.

„Krone“: Wie überwinden Sie schwere Rückschläge?

Welser-Möst: Man braucht einen langen Atem. Aber letztlich ist es das Bewusstsein, ein Talent geschenkt bekommen zu haben, das eine Verpflichtung ist. Dazu kommt mein Umfeld, das mich trägt.

„Krone“: Was bringt Sie bei der Arbeit auf die Palme?

Welser-Möst: Disziplinlosigkeit, Faulheit, Arroganz. Diese Dinge kann ich überhaupt nicht ertragen und da werde ich auch böse. Das haben manche schon erlebt. Ich habe auch schon Sänger rausgeschmissen.

Nina Kaltenböck
Nina Kaltenböck
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 19. September 2020
Wetter Symbol
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.