Auf ins Gefecht!

Tarnen, taktieren und täuschen mit Ubisofts “R.U.S.E.”

Spiele
17.09.2010 14:39
Listenreich und tückisch müssen Hobby-Generäle in Ubisofts Strategiehit "R.U.S.E." agieren, wenn sie auf dem Schlachtfeld triumphieren wollen. Denn nicht die Truppenstärke, sondern die Fähigkeit, zu tarnen, zu taktieren und zu täuschen entscheidet darin über Sieg oder Niederlage. Bereits verloren hat, wer sich vorschnell in falscher Sicherheit wiegt - denn auch der Feind arbeitet mit schmutzigen Tricks.

Bei "R.U.S.E." ist der Name schließlich Programm, bedeutet das englische Wörtchen "ruse" doch "Kniff" oder eben "List". Zehn solcher Listen stehen dem Spieler zur Auswahl und erlauben es ihm beispielsweise, sämtliche Einheiten in einem definierten Gebiet kurzzeitig unsichtbar zu machen, schneller vorzurücken oder Panzer als leichte Infanterie und - umgekehrt - das einfache Fußvolk als schwere Artillerie zu tarnen. Möglich ist aber auch, den Feind mittels "Spion" auszuspionieren und sich so über seine Truppenstärke zu informieren, während die List "Dekodierung" den nächsten Schachzug des Gegners offenbart.

Letzteres ist daher auch die erste und wichtigste List, die Joe Sheridan im nordafrikanischen Wüstenkrieg gegen Rommel'sche Panzerdivisionen erlernt, ehe es den US-Befehlshaber, begleitet von einer zwar optisch aufwändig inszenierten, aber eher emotionslosen Geschichte um Spionage und Verrat über Italien ins Berlin des Jahres 1945 führt. Bis dorthin vergehen jedoch etliche Spielstunden, in denen sich Sheridan nicht nur mit den unterschiedlichen Listen, sondern auch mit den seiner Befehlsgewalt unterstehenden Einheiten und nicht zuletzt dem Spielprinzip vertraut machen muss.

2...1...Risiko!
Am ehesten lässt sich dieses mit dem Brettspielklassiker "Risiko" vergleichen, nur mit dem feinen Unterschied, dass sämtliche Aktionen in Echtzeit erfolgen. Alle Einheiten, vom einfachen Soldaten über Aufklärungs-Jeeps bis hin zu schweren Panzern, mobilen Flak-Geschützen und Kampfbombern, verfügen getreu dem Schere-Stein-Papier-Prinzip über ihre individuellen Stärken und Schwächen, die es zum eigenen Vorteil (aus) zu nutzen gilt. Dankenswerterweise lässt sich jederzeit abfragen, ob sich die bevorzugte Einheit auch wirklich für den Angriff auf die Feindestruppen eignet.

Schaffe, schaffe, Panzer baue'
Folgen die Missionen anfangs noch stark einem vorgeschriebenen Skript, darf später über eine Basis der Auf- und Ausbau der Truppen auch selbst in die Hand genommen werden. Sind die Versorgungswege und damit das eigene Einkommen gesichert, können Fabriken zum Bau von Panzern und anderem schweren Geschütz, Flughäfen oder diverse Bunker aus dem Boden gestampft werden. 

Wer allerdings hofft, binnen möglichst kurzer Zeit eine gewaltige Kriegsmaschinerie auf die Beine stellen zu können, um mit dieser den Feind zu überrollen, wird schnell eines Besseren belehrt: Ähnlich dem Schachspiel, liegt der Schwerpunkt bei "R.U.S.E." auf dem Planen des Spielzugs bzw. dem Vorausahnen der gegnerischen Aktionen, und weniger auf dem Wirtschaften.

Aus nächster Nähe
Was das Spiel neben den namensgebenden Listen außerdem auszeichnet, ist die "Iriszoom" genannte Spielengine, die ein nahtloses Zoomen vom stillen Kartentisch hin zum Schlachtengetümmel und wieder zurück ermöglicht – auf der PS3 sogar mittels Motion-Controller. So können die nächsten Züge in einer Draufsicht, in der Einheiten lediglich als Symbol erscheinen, zunächst grob geplant werden, ehe aus nächster Nähe das "Feintuning" erfolgt. 

Dass die Nahansicht stark auf Kosten der Übersichtlichkeit geht, wird einem jedoch spätestens dann bewusst, wenn es an mehreren Ecken "brennt" und der Feind die Verteidigungslinien gleich mehrfach durchbrochen hat. Wie gut, dass es auch für diesen Fall noch eine List gibt, die die eigenen Truppen am Rückzug hindert und sie bis zum bitteren Ende kämpfen lässt.

Online geht der Kampf weiter
Apropos Ende: Wer die Kampagne absolviert hat, darf sein taktisches Geschick sowohl im Kampf gegen KI-Gegner als auch online in Multiplayer-Gefechten gegen ganz reale "Feinde" unter Beweis stellen. Besonders groß ist die Freude dabei immer dann, wenn die eigene List aufgeht und Mitspieler ahnungslos in ihr Verderben laufen.

Fazit: Dass Konsolen und Strategiespiele nicht so recht miteinander harmonieren wollen, muss mit dem Erscheinen von Ubisofts "R.U.S.E." wohl widerrufen werden. Dem Publisher gelingt es - auch aufgrund eines vergleichsweise gedrosselten Spieltempos und der eher geringeren Einheitenanzahl - tatsächlich, eine gesunde Portion strategischen Tiefgang mit Action zu kombinieren, ohne dass dafür Einbußen in puncto Steuerung gemacht werden müssten. Wenngleich der Fairness halber hinzugefügt werden sollte, dass die Übersicht zu behalten nach wie vor eine große Herausforderung darstellt. 

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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