Flucht in Schweiz
Nach neun Tagen: Polizei schnappt rüstigen Pistolero
Zum Fahndungserfolg führte ein Polizeifoto, auf dem eine Bürgerin den Mann erkannt und dann die Behörden alarmiert hatte. Die Spezialeinheiten entdeckten den Pensionisten um 6 Uhr auf einer Wiese, ließen den sechsjährigen belgischen Schäferhund Faro los und konnten den Mann dann festnehmen. Er wird sich wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten müssen.
Tagelang mit falschem Foto gefahndet
Dass das Fahndungsfoto Auslöser der Verhaftung war, ist besonders kurios. Denn fünf Tage lang suchte die Polizei den Mann zunächst mit einem falschen Foto - dem Bild seines Vaters. Dass der fast zwei Meter große Täter, der seit Jahren mit den Behörden im Streit lag, überhaupt zweimal den schwer bewaffneten und mit modernsten Geräten ausgerüsteten Spezialeinheiten entkommen konnte, hatte der Polizei scharfe Kritik eingebracht. Die Behörde ließ am Freitag auch erkennen, dass die gesamte Fahndung nun aufgearbeitet wird.
Die Eskalation löste wohl die wegen eines Erbstreits geplante Versteigerung des Hauses aus. Am Mittwoch vergangener Woche verschanzte sich der Mann daraufhin in seiner Wohnung, tags darauf schoss er einem Polizisten ins Gesicht und flüchtete. Der nun Festgenommene wurde in den Medien als ein Mann beschrieben, der sich völlig von der Außenwelt abgesondert hatte. In vielen und langen Briefen an die Behörden fühlte er sich missverstanden und verfolgt. Doch schienen diese nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein, mit dem Mathematiker Kontakt aufzunehmen. Experten führten dies auch darauf zurück, dass das strenge Schweizer Datenschutzgesetz eine Abgleichung von Daten unter den Behörden schwierig mache.
Erleichterung in der Bevölkerung
In der Bevölkerung und bei den Justizbehörden herrschte am Freitag vorrangig Erleichterung, dass die Geschichte ohne weiteres Blutvergießen zu Ende ging. Viele hoffen nun auch wieder auf einen Übergang in den normalen Alltag, denn die Polizeiaktion hatte das Leben in der Uhrenstadt mit etwa 50.000 Einwohnern völlig auf den Kopf gestellt. Überall patrouillierten schwer bewaffnete Polizisten, Schulen blieben geschlossen.
Immer wieder kommt es in der Schweiz vor, dass Amokläufer aus Wut über vermeintliches Unrecht zur Waffe greifen. Einer der schwersten Fälle ereignete sich am 7. September 2001, als ein 57-jähriger im Parlament des Kantons Zug 14 Menschen erschoss und sich anschließend selbst tötete.
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