Umstrittener Brauch

Singvogelfang im Salzkammergut startet wieder

Im Salzkammergut startet am Mittwoch wieder der umstrittene Singvogelfang. Die Fangbewilligungen gelten von 15. September bis 15. November. Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" will dieses jahrhundertealte Brauchtum weiter bekämpfen. Die Vogelfänger argumentieren, dass es durch ein Gesetz im Verfassungsrang geschützt sei.

Die rund 400 mit naturschutzrechtlichen Fangbewilligungen der zuständigen Bezirkshauptmannschaften ausgestatteten Vogelfänger im Salzkammergut fangen im Herbst Gimpel, Zeisige (Bild), Stieglitze und Fichtenkreuzschnäbel. Über die Wintermonate werden die Tiere in Käfigen gehalten, ausgestellt und nach einigen Monaten freigelassen. Dieses Brauchtum ruft regelmäßig Tierschutz-Aktivisten auf den Plan.

"Illegale Vogelquälerei"
"Vier Pfoten" bezeichnet es als "illegale Vogelquälerei". Sowohl die Vogelfänger als auch die Behörden würden mit den Bewilligungen das Bundestierschutzgesetz bewusst umgehen. Sie berufen sich auf Gutachten von Fachleuten, wonach die Tiere einer hohen Stressbelastung sowie einer unmittelbaren Verletzungs- und Todesgefahr ausgesetzt seien. Doch Dutzende Anzeigen seien von den lokalen Behörden eingestellt oder gar abgewiesen worden. "Wir werden so lange nicht ruhen, bis dieses Relikt aus dunklen Zeiten auch in Oberösterreich der Vergangenheit angehört", erklärte der Verein am Dienstag.

Vogelfang ist Teil des Kulturerbes
Der Obmann der "Vogelfreunde Salzkammergut", Alfred Riezinger konterte: "Die Damen und Herren Tierschützer mögen sich entscheiden, ob sie für oder gegen die Verfassung der Republik Österreich sind." Der Vogelfang sei offiziell ins nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO eingetragen worden. Österreich habe sich in einem einstimmig im Nationalrat und Bundesrat beschlossenen Staatsvertrag, der im Verfassungsrang stehe, zum Erhalt dieses Kulturerbes verpflichtet.

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Donnerstag, 06. Mai 2021
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