24.07.2020 10:06 |

Getrübter Geburtstag

J.K. Rowling: Mega-Ärger vor 40er von Harry Potter

J.K. Rowling dürfte sich gerade fühlen wie Voldemort, der Bösewicht aus ihren Harry-Potter-Romanen. Wenn deren Charaktere über Voldemort sprechen, wird er meist nur als „der, dessen Name nicht genannt wird“, bezeichnet. So ähnlich geht es nun auch Rowling. Die Betreiber zweier Harry-Potter-Fanseiten kündigten an, Fotos der Autorin und ihre Zitate von der Website zu entfernen.

Der Grund: Kurz vor ihrem 55. Geburtstag am 31. Juli hatte die Britin bei Twitter mit Aussagen über Transgender-Menschen für Diskussionen gesorgt. Sie hatte auf einen Tweet, der von „Menschen die menstruieren“ sprach, geantwortet: „‘Menschen, die menstruieren.‘ Ich bin mir sicher, es gab mal ein Wort für solche Leute. Hilft mir mal jemand. Fräuen? Frausen? Fraua?“ Sie schloss damit Trans-Menschen aus der Definition aus. Teile der Harry-Potter-Fangemeinde reagierten verärgert. Rowling nahm auf ihrer Website ausführlich dazu Stellung. Sie sprach sich für eine offene Debatte und freie Meinungsäußerung aus. Zudem berichtete sie von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch in ihrer ersten Ehe.

Gemeinsamer Geburtstag
Dafür gab es in britischen Medien und im Internet sowohl Zuspruch als auch weitere Kritik. Enttäuschte Fans ihrer Bücher würden das Werk nun am liebsten von der Autorin lösen. Doch das ist nicht so leicht, denn die Namen Harry Potter und J.K. Rowling sind nahezu untrennbar miteinander verbunden. Sogar ihren Geburtstag haben sie gemeinsam.

In den Romanen kam Harry am 31. Juli 1980 zur Welt. Joanne Kathleen Rowling wurde am 31. Juli 1965 in Winterbourne geboren, einem kleinen Ort nahe Bristol im Südwesten Englands. Als Joanne neun Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester nicht weit von Winterbourne entfernt in das verschlafene Nest Tutshill. Dort wohnte Rowling bis zu ihrem 18. Lebensjahr in einem Haus im Gotik-Stil. Es steht heute unter Denkmalschutz, weil es der Architekt Henry Woodyer entworfen hatte. Im April soll es Rowling, die dank Potter zur Milliardärin wurde, für rund 480.000 Euro gekauft haben.

Die Umgebung von Tutshill und das urige Familienheim fanden sich später in Rowlings Büchern wieder. Einen Verschlag unter der Treppe - ähnlich dem, in dem der kleine Harry bei den Dursleys schlafen muss - gab es auch in Rowlings Elternhaus, das nun ihr gehört und gerade renoviert wird. Ihren früheren Heimatort verewigte die Britin im fünften Buch - „Harry Potter und der Orden des Phönix“ - mit den „Tutshill Tornados“, einer Mannschaft im fiktiven Sport Quidditch.

Bei Eisenbahnfahrt entstanden
Ihren populären Helden dachte sich J.K. Rowling angeblich schon 1990 auf einer Eisenbahnfahrt aus. Ihr Zug fuhr vom berühmten Londoner Bahnhof King‘s Cross ab, der auch dank Harry Potter eine beliebte Touristenattraktion ist. Vom geheimen Gleis Neundreiviertel machen sich Harry und seine Freunde auf den Weg zur Zauberschule Hogwarts.

In der Wandelhalle des Bahnhofs hängt heute ein Schild mit der Aufschrift „Gleis 9 3/4“ über einem Gepäckwagen, der in der Wand zu verschwinden scheint. Für ein zauberhaftes Foto stehen dort täglich viele Touristen und Potter-Fans Schlange.

An dem Konzept für ihre siebenteilige Buchreihe arbeitete Rowling fünf Jahre. Sie fertigte Tabellen mit Charakteren, Figuren, Orten und Ereignissen an, um verschiedene Handlungsstränge mit fortschreitendem Verlauf der Geschichte Stück für Stück zusammenzufügen. Einen Teil ihrer umfassenden, überwiegend handgeschriebenen Notizen konnten sich Besucher des British Library in London vor einigen Jahren in der Ausstellung „Harry Potter: A History of Magic“ anschauen.

Inspiration aus eigenem Leben
Inspiration bezog die ehemalige Lehrerin, die lange in Edinburgh lebte, auch aus einem dunklen Kapitel ihres Privatlebens. Nach der gescheiterten Ehe litt die alleinerziehende Mutter unter Depressionen - „die unangenehmste Sache, die ich je erlebt habe“, sagte Rowling der „Times“. In ihren Büchern wurden die Depressionen zu den gruseligen Dementoren. Die in schwarze Kapuzenmäntel gehüllten, fliegenden Wesen saugen alle glücklichen Gedanken aus ihren Opfern.

Der erste Band, „Harry Potter und der Stein der Weisen“, kam 1997 in die Buchläden. Eine seltene Erstausgabe wurde 2017 bei einer Auktion in den USA für rund 67.800 Euro versteigert. Acht Harry-Potter-Kinofilme, ein Theaterstück und zwei Filme über „Fantastische Tierwesen“ ließen die Kassen klingeln. In Florida gibt es sogar einen Harry-Potter-Themenpark. Über 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung ist die weltweite Pottermania ungebrochen.

Daran wird die öffentliche Diskussion zwischen J.K. Rowling und ihren Kritikern nichts ändern. Durch sie gerät aber in den Hintergrund, dass die Autorin, die sich permanent für Gleichberechtigung und soziale Belange einsetzt, sich gegen Rassismus und Diskriminierung engagiert und eine Stiftung gegen Kinderarmut ins Leben gerufen hat, vor kurzem ein neues Kinderbuch veröffentlicht hat: „The Ickabog“.

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