22.07.2020 11:17 |

„Zuerst schlimmer“

„Neuer“ Trump bei 1. Corona-Briefing seit Monaten

US-Präsident Donald Trump hat nach fast drei Monaten wieder ein Corona-Pressebriefing im Weißen Haus geleitet und sich ungewohnt pessimistisch gegeben. Er sage es nicht gern, „aber es ist so: Es wird wahrscheinlich leider schlimmer werden, bevor es besser wird“, so Trump über die aktuelle Situation in den USA, wo jeden Tag Zehntausende Neuinfektionen bekannt werden. Auch mit der Aufforderung an die Amerikaner, Masken zu tragen, fällt der Präsident aus seiner bisher gewohnten Rolle.

„In den letzten Wochen haben wir einen besorgniserregenden Anstieg an Fällen in vielen Teilen unseres Südens, Südwestens und Westens gesehen“, musste Trump eingestehen, nachdem die Behörden in den vergangenen zwei Wochen zwischen 60.000 und 77.000 Neuinfektionen pro Tag sowie Hunderte Todesfälle vermeldet hatten. Trump hatte die Vielzahl an neuen Fällen bisher stets mit der Vielzahl an Tests erklärt, die durchgeführt werden, und verglich die Ausbrüche mit „Glutherden“ und „Flammen“. Am Dienstag sprach er von „großen Flammen“. Allerdings beharrte er darauf, dass die USA dreimal so viel testen würden „wie alle Länder der westlichen Hemisphäre zusammen“ - nämlich 50 Millionen bisher.

„Ob Sie sie mögen oder nicht, Masken haben eine Wirkung“
Trump musste auch in einem anderen Bereich umschwenken, in dem er vorher eine konträre Haltung gezeigt hatte: Er ermunterte die Amerikaner zum Tragen von Schutzmasken, wenn kein Abstand gehalten werden kann: „Ob Sie die Masken mögen oder nicht, sie haben eine Wirkung, sie werden einen Effekt haben - und wir brauchen alles, was wir kriegen können.“ Eine landesweite Maskenpflicht lehnt er aber weiterhin ab.


Kritiker werfen Trump vor, in der Pandemie ein schlechtes Vorbild abzugeben, weil er so gut wie nie öffentlich mit Maske auftritt. Um zu unterstreichen, dass er kein Problem mit Masken habe, holte Trump bei der Pressekonferenz einen Mund-Nasen-Schutz hervor. „Ich habe die Maske hier“, sagte er. Beim Vorstellen von Richtlinien der Gesundheitsbehörde CDC im April hatte Trump noch deutlich gemacht, dass er trotz Empfehlung selbst keine Maske tragen werde.

„Was sie brauchen, kriegen sie, aber sie brauchen gerade nichts“
Bei der Bekämpfung der Pandemie arbeite er Hand in Hand mit den Gouverneuren und versprach ihnen hundertprozentige Unterstützung. „Alles, was sie brauchen, kriegen sie.“ Im Moment würde aber „niemand etwas brauchen“, so Trump. Zuletzt hatte es immer wieder Verstimmungen zwischen der Regierung in Washington und Gouverneuren einiger Bundesstaaten gegeben - auch aus den Reihen von Trumps Republikanern.

Kurze Dauer, wenige Fragen und das Ziel, die Pandemie „loszuwerden“
Im Gegensatz zu teils zweistündigen Briefings in den ersten Wochen der Pandemie sprach Trump am Dienstag weniger als eine halbe Stunde und ließ vergleichsweise wenige Fragen von Journalisten zu. Er beklagte „jedes einzelne wertvolle Leben, das verloren gegangen ist“, und dankte Ärzten und anderen Ersthelfern in der Krise. „Meine Regierung wird vor nichts zurückschrecken, um Leben zu retten“, versprach Trump. Ziel sei es, die Pandemie nicht nur einzudämmen, „sondern sie loszuwerden“, sagte Trump.

Dass Trump wieder an den Corona-Briefings teilnahm, dürfte aber weniger auf die Besorgnis des Präsidenten um die Amerikaner zurückzuführen sein als auf schlechter gewordene Umfragewerte. Die Wiederaufnahme der Pressekonferenzen wurde als Versuch Trumps gewertet, der sinkenden Zustimmung entgegenzutreten - schließlich kämpft Trump im November um die erneute US-Präsidentschaft.

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