04.07.2020 09:00 |

Halbjahresbilanz

Viel weniger Pleiten - aber „Bild ist trügerisch“

Viele Betriebe und Privatpersonen hat die Corona-Krise in finanzielle Nöte gestürzt. In der Insolvenzstatistik ist das aber (noch) nicht abzulesen. Die Zahl der Firmenpleiten ist in Tirol heuer um 29 Prozent gesunken. Das Bild sei jedoch trügerisch, warnt der Kreditschutzverband. Für 2021 wird mit einer Pleitewelle gerechnet.

Im ersten Halbjahr haben 102 Tiroler Firmen Insolvenz angemeldet, um 29,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Und das, obwohl die Corona-Pandemie die Betriebe kalt erwischt hat. Für Klaus Schaller, Regionalleiter des Kreditschutzverbandes (KSV), hat der kurios anmutende Rückgang einen wesentlichen Grund: „Aufgrund von gesetzlichen Vorgaben haben öffentlich-rechtliche Gläubiger seit Mitte März nur mehr in Ausnahmefällen Insolvenzeröffnungsanträge bei den Gerichten eingebracht. Steuern und Beiträge werden gestundet - nicht aber erlassen.“

Insolvenz oft nur verzögert
Schaller befürchtet daher, dass eine große Anzahl von eigentlich notwendigen Insolvenzverfahren nur hinausgezögert wird. Wie lange, das werde davon abhängen, wann öffentlich-rechtliche Stellen wieder beginnen, ihre Forderungen nachhaltig zu betreiben. Auch im zweiten Halbjahr sei nicht mit einem „Insolvenz-Tsunami“ zu rechnen, meint Schaller. Im kommenden Jahr dürfte laut Prognose aber vielen Betrieben die Luft ausgehen.

186 Private zahlungsunfähig
Ähnlich das Bild im privaten Sektor. 186 Privatpleiten bedeuten ein Minus von 42 Prozent. Für Schaller wenig überraschend und nicht beruhigend. Der Rückgang sei der im Lockdown fehlenden Rechtsberatung geschuldet. Es sei davon auszugehen, dass die Zahl der hoch verschuldeten Haushalte heuer gestiegen ist. In der Insolvenzstatistik wird das erst mit Verzögerung abzulesen sein.

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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