Lob für alten Kumpel

Blair: “Berlusconi verspricht nicht, er handelt”

Ausland
02.09.2010 12:50
Der in seiner Heimat politisch arg unter Druck geratene italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi erhält unerwartetes Lob - vom britischen Ex-Premierminister Tony Blair. In seiner Autobiografie "A Journey", die kommende Woche in deutscher Sprache erscheint, lobt Blair Italiens Regierungschef und Medienzaren wegen seiner Tatkraft. Demnach hätte London ohne Berlusconis Unterstützung nicht den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2012 erhalten.

"Es gibt eine letzte Person, ohne die wir diesen Auftrag nicht erhalten hätten: Silvio Berlusconi. Ich hatte ihn in seiner Villa in Sardinien besucht, um ihn um seine Hilfe für unsere Kandidatur zu bitten. Italien war einer der Hauptakteure. Er fragte mich, wie wichtig es für uns sei, den Auftrag für die Olympischen Spiele zu erhalten. 'Sehr wichtig', antwortete ich. 'Sehr?' - 'Sehr.' 'Du bist mein Freund. Ich verspreche dir nichts, aber ich schaue, was ich tun kann'. Dieses Verhalten ist typisch für Silvio, und deswegen bewundere ich ihn. Fast alle Politiker versprechen, tun aber nicht. Er hatte nichts versprochen, er handelte", schrieb Blair.

Blairs Worte wurden vom italienischen Kulturminister Sandro Bondi begrüßt: Die Enthüllungen des Ex-Premiers seien ein Beweis der wahren Rolle, die Berlusconi auf der internationalen Szene spiele.

Labour geht auf Distanz zu Blair und Brown
Indes haben sich nach der Veröffentlichung der Blair-Memoiren führende Labour-Politiker am Donnerstag von ihrem ehemaligen Führungspersonal distanziert. "Ihre Zeit ist vorüber", schrieb der Favorit auf den Parteivorsitz bei den laufenden Wahlen, David Miliband, in einem E-Mail an die Mitglieder mit Blick auf Blair und seinen Rivalen Gordon Brown. Blair hatte seine Memoiren vor allem zu einer Abrechnung mit seinem ehemaligen Schatzkanzler und späteren Nachfolger Brown genutzt.

Obwohl er die beiden Führungsfiguren der New-Labour-Ära und ihre Leistungen respektiere, gelte es für die Partei jetzt, die künftigen Probleme anzupacken. Dazu müsse auch die "Art, Politik zu machen" geändert werden, schrieb Miliband. Labour-Fraktionschef Tony Lloyd sagte, die "wirklichen Themen liegen vor uns, nicht hinter uns". Miliband wies auch die Äußerungen Blairs in seinem Buch zurück, die konservativ-liberale Koalition von David Cameron habe in der Wirtschaftskrise die richtigen Weichen gestellt.

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