Baby „entsorgt“

Expertin: „Wie alleine muss diese Mutter sein!“

Ein halbes Dutzend Hinweise auf die Mutter, die ihre neugeborene Tochter im Pregartenteich in Freistadt „entsorgte“, kamen – alle negativ. „Was ist das für eine Frau!“ – Gabriele Hofer-Stelzhammer (57), Obfrau des Vereins „Zoe“ in Linz, der sich um Schwangere in schwierigen Lagen kümmert, warnt vor Vorverurteilung.

„Krone“:Alles konzentriert sich jetzt auf die Mutter, die offenbar ihr Baby in das Wasser geworfen hat. Verständnis zeigt für die Tat niemand.
Gabriele Hofer-Stelzhammer:
Das ist eine natürliche Reaktion. Doch ich habe auch ein liebendes Herz für die Mutter. Denn in welch für sie scheinbar ausweglosen Situation muss sie sich befunden haben, um so etwas zu tun? Wie verzweifelt, wie alleine gelassen und wie einsam muss sie sein.

„Krone“:Beim Verein „Zoe“ in Linz versuchen Sie, gerade solche Frauen zu erreichen und bieten auch konkrete Hilfe an.
Hofer-Stelzhammer:
Wir haben etwa 1000 Beratungen pro Jahr, darunter auch Projekte mit Schulklassen und auch kinderlose Paare. Aber ja, auch viele Frauen, die ungewollt schwanger sind oder sich überfordert fühlen.

Krone“:Wozu raten Sie den Schwangeren?
Hofer-Stelzhammer:
Wir beraten ergebnisoffen. Das heißt, wir zeigen Optionen auf, doch die Entscheidung trifft die Frau oder das Paar selbst. Da gibt es als Auswege die anonyme Geburt, die Babyklappe, die Adoption oder auch den Abbruch. Wir werden eine Entscheidung nicht werten.

„Krone“: Bei ungewollten Schwangerschaften bekommen Frauen oft zu hören „Das ist heute nicht mehr nötig“.
Hofer-Stelzhammer:
Im Prinzip stimmt das, aber wir wissen aus Gesprächen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass das Thema Sex zwar allgegenwärtig ist, aber das Wissen um Sexualität, Fortpflanzung und Verhütung oft sehr gering ist.

„Krone“:Jetzt dreht sich im Fall in Freistadt alles darum, die Mutter zu finden.
Hofer-Stelzhammer:
Das ist wichtig. Denn es muss geklärt werden, warum sie sich zu dieser Tat genötigt sah. Oder vielleicht war alles ganz anders. Ohne die Aussage der Mutter ist alles Spekulation. Wichtig wäre, dass Frauen vorher geholfen wird und sie wissen, dass sie ohne Wertung Hilfe kriegen.

Interview: Markus Schütz

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