09.06.2020 15:00 |

Polizist entlastet

Zu lax ermittelt nach Vergewaltigung? Freispruch

Eine weinende Frau schilderte in einer Sommernacht des Vorjahres im Raum Innsbruck einer Polizeistreife eine Vergewaltigung in einer Wohnung. Am Landesgericht war nun ein Polizist (53) angeklagt, weil er bestimmte Ermittlungen nicht sofort eingeleitet, sondern dem Tagdienst überlassen hatte. Amtsmissbrauch?

In den Morgenstunden des 27. August wartete die Frau nach dem Notruf bereits auf der Straße und erzählte, dass sie soeben in der Wohnung eines ihr flüchtig bekannten Nigerianers vergewaltigt worden sei. Nach der Befragung schlug der jüngere Polizist vor, in der Wohnung die Unterhose des Opfers und etwaige weitere Spuren zu sichern.

Der Frau organisierte man ein Taxi, das sie zur gynäkologischen Ambulanz brachte. Der angeklagte Polizist sah keine weiteren sofortigen Schritte als nötig. „Die Unterhose hatte die Frau ja vor der Tat beiseitegelegt. Und um den vermutlich alkoholisierten Verdächtigen aufzusuchen, hätte es zumindest eine weitere Streife gebraucht. Die Befragung des Mannes war daher erst später sinnvoll.“

Kollege unterstützt als Zeuge die Sichtweise
Sein unerfahrener Kollege (Verfahren eingestellt), der sich auf den Ältern verließ, unterstützte als Zeuge die Sichtweise des Angeklagten. Nach Bericht an den Vorgesetzten war es aber zum Aufrollen des Falls gekommen. Die Polizisten vor Ort sahen damals keine Verdunklungs- oder Fluchtgefahr, denn der Verdächtige war durch andere Vorfälle amtsbekannt.

Der Staatsanwalt betonte dennoch: „Es war Glück, dass der Mann nicht geflüchtet ist oder den Tatort in diesen Stunden gereinigt hat.“ Letztlich waren die Ermittlungen aber erfolgreich, der Nigerianer steht Ende Juni vor Gericht. Am Ende fällte Richterin Heide Maria Paul einen (nicht rechtskräftigen) Freispruch vom Amtsmissbrauch, betonte aber ein gewisses Pflichtversäumnis in jener Nacht.

Andreas Moser
Andreas Moser
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