04.06.2020 10:56 |

Mann mit Perücken

Wurde Maddie McCann mit diesem Bus entführt?

Vor 13 Jahren verschwand das damals dreijährige Mädchen Maddie McCann aus einer Ferienanlage in Portugal. Nun könnte das traurige Rätsel in Deutschland endlich gelöst werden. Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig will zu Mittag neue Erkenntnisse bekannt geben. Neue Hinweise erhoffen sich die Ermittler von Fotos eines VW-Busses sowie eines Jaguars, in denen ein verdächtiger Sexualstraftäter das Kind entführt haben könnte. Außerdem wird nach dem Inhaber einer Telefonnummer gesucht und eine Ex-Nachbarin beschreibt den Verdächtigen als aggressiven Mann, der Perücken besessen hat. 

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass im Fall Maddie ein Deutscher unter Mordverdacht geraten ist. Der Fall war am Abend - wie schon früher - Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen 43-Jährigen, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Er verbüße derzeit in anderer Sache eine längere Haftstrafe.

Weiß-gelber VW-Bus
Laut Scottland Yard hätte der Mann zum Tatzeitpunkt kurzes, blondes Haar gehabt und sei 1,80 Meter groß. Die BKA Braunschweig gab bekannt, dass der heute 43-jährige Mann damals einen weiß-gelben 80-Jahre-VW-Bus VW T3 Westfalia mit portugiesischer Zulassung gefahren haben. Er könnte den Bus zur Tatbegehung genutzt haben. Die Polizei hofft nun, dass Touristen aus dem Jahr 2007 den Bus auf ihren Ferienfotos entdecken könnten und so neue Hinweise über die Aufenthaltsorte des Buses liefern.

Der Mann soll in der fraglichen Zeit außerdem einen dunkelroten oder aubergine-farbenen Jaguar XJR 6 Jaguar XJR 6 gefahren haben, der ihm aber nicht gehört hat. Die letzte bekannte Zulassung nach dem Tattag sei von der Stadt Augsburg gekommen und der Verbleib dieses Autos sei geklärt. 

Die Polizei veröffentlichte auch mehrere Fotos eines Hauses von außen und innen, in dem der Tatverdächtige von 1995 bis 2007 an der Algarve zwischen Lage und Praia da Luz gelebt hat. Er sei in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nachgegangen. 

Mit drei Jahren verschwunden
Die damals dreijährige Maddie war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

An dem Abend, als Maddie verschwand, soll der Verdächtige einen Anruf erhalten haben unter der Nummer +351 912 730 680 mit portugiesischer Ländervorwahl. Der Anruf wurde in der Region um Praia de Luz entgegengenommen. "Ermittler glauben, dass die Person, die diesen Anruf getätigt hat, ein höchst wichtiger Zeuge ist, und rufen sie dazu auf, in Kontakt zu treten", hieß es in der Scotland-Yard-Mitteilung. Die Nummer des Anrufers laute +351 916 510 683.

Perücken in „ekliger“ Unterkunft
Eine frühere Nachbarin des Verdächtigen aus Portugal beschrieb den Mann als aggressiv. „Er war immer ein bisschen wütend, ist die Straße schnell hoch und runter gefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort“, berichtete die Frau dem britischen Sender Sky News. Etwa ein halbes Jahr nach dem Verschwinden des Mannes sei sie gebeten worden, beim Aufräumen der Unterkunft zu helfen, berichtete die Frau. „Es war eklig.“ Überall hätten beschädigte Sachen wie Computer gelegen. In einem Müllbeutel seien Perücken und seltsame Kleidungsstücke - möglicherweise für Kostümierungen - gewesen.

Die frühere Nachbarin gab an, dass der Verdächtige die Unterkunft damals von einem Briten gemietet habe. Polizisten aus Großbritannien hätten sie im vergangenen Jahr zu dem Verdächtigen befragt. In diesem Jahr seien dann portugiesische Ermittler aufgetaucht. Die Polizei geht davon aus, dass sich der Mann nach dem Verlassen der Unterkunft noch weiterhin in der Umgebung aufgehalten hat.

„Sehr bedeutsam“
In einem Statement meldeten sich am Donnerstag auch die Eltern von Maddie zu Wort. Dass es einen neuen Verdächtigen gebe, sei „sehr bedeutsam“.

„Kate und Gerry glauben, dass dies möglicherweise sehr wichtig ist“, sagte Clarence Mitchell, ein Sprecher der Familie, gegenüber BBC Radio. „Sie haben nie die Hoffnung aufgegeben, dass sie noch lebend gefunden wird, aber sie sind realistisch.“ Was auch immer bei den neuen Ermittlungen rauskomme, die Eltern müssen wissen, was mit ihrer Tochter passiert ist, um Frieden zu finden und den Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, sagte der Sprecher.

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