28.05.2020 11:30 |

Massive Verschmutzung

Plastikmüll aus Europa vergiftet Böden in Malaysia

Illegale Mülldeponien in Malaysia wirken sich extrem auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen vor Ort aus. Bodenproben, die in der Nähe malaysischer Müllverbrennungsplätze entnommen wurden, weisen Rückstände von gefährlichen Chemikalien und Schwermetallen wie etwa Blei auf. Diese können unter anderem das Nervensystem schädigen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen und die Entwicklung von Kindern hemmen. Auf vielen malaysischen Mülldeponien landet Plastikmüll aus Europa - auch aus Österreich.

Greenpeace fordert, dass der Handel mit Plastikmüll strenger kontrolliert und Einweg-Kunststoffverpackungen deutlich reduziert werden: „Der Handel mit dem Plastikmüll und die katastrophalen Auswirkungen sind ein globales Problem. Wir in Europa müssen Verantwortung dafür übernehmen. Wir können nicht einfach unseren gefährlichen Müll in andere Länder abschieben und dann die Augen vor den Folgen verschließen“, sagt Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich.

Plastikmüll-Strom verlagert sich in südostasiatische Länder
Seit China 2018 die Einfuhr von Kunststoffmüll gestoppt hat, verlagert sich der globale Plastikmüll-Strom in südostasiatische Länder wie Malaysia oder Indonesien. Ein Brancheninsider aus Österreich bestätigt, dass zum Beispiel Plastikmüll von Elektroaltgeräten sehr häufig nach Asien zum billigen Recycling verschifft wird. Allein in Malaysia landeten seit 2018 Hunderttausende Tonnen Plastik aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, den USA oder Australien. Das Plastik wird unter gefährlichen Bedingungen recycelt und die nicht verwertbaren Reste auf Freiflächen unkontrolliert verbrannt oder deponiert. Der Müll-Tourismus blüht, Müll wird oft Tausende Kilometer gekarrt oder illegal entsorgt. Auch im Mittelmeer ist die Lage schon dramatisch, manche Inseln drohen bereits im Müll zu ersticken.

Bis zu 30 Lkw-Ladungen Plastikmüll pro Tag
So entdeckte Greenpeace unter anderem eine zwei Hektar große illegale Mülldeponie direkt an einem Flussufer. Täglich wurden dort bis zu 30 Lkw-Ladungen Plastikmüll - darunter Elektroaltgeräte - abgeladen und somit das Gewässer mit gefährlichen Chemikalien verschmutzt.

Schwermetalle wie Antimon, Cadmium und Blei nachgewiesen
Greenpeace-Experten fanden in Bodenproben auf malaysischen Mülldeponien Rückstände von gefährlichen Chemikalien wie bromierten Flammschutzmitteln sowie hohe Konzentrationen an Schwermetallen wie Antimon, Cadmium und Blei. Das ist sehr schädlich für die Gesundheit: Cadmium kann zu Schäden an Nieren und Knochen führen, Antimon kann unter anderem Magen-Darm-Probleme verursachen und eine andauernde Belastung mit Blei wird mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwächen bei Kindern in Verbindung gebracht.

„Einwegplastik drastisch reduzieren“
„Die verheerenden Folgen von Plastikmüll können wir nur verhindern, indem wir Einwegplastik drastisch reduzieren und Elektrogeräte und Textilien länger verwenden. Die Politik muss jetzt handeln und wiederverwendbare Verpackungen, Nachfüllsysteme und Reparaturen fördern. In der aktuell anstehenden Novelle des Abfallwirtschaftsgesetzes muss die österreichische Regierung gesetzlich verankern, dass Einweg-Kunststoffverpackungen bis 2025 um mindestens 25 Prozent reduziert werden“, fordert Panhuber.

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