03.12.2019 06:00 |

Auch in Österreich

Dreckiges Geschäft mit Müll-Tourismus

Die Welt erstickt am Abfall. Unsere Wegwerfgesellschaft karrt Tonnen über Tausende Kilometer in andere Länder. Gift für die Umwelt. Doch das Geschäft mit dem Müll-Tourismus boomt. Wie aktuelle Fälle zeigen …

Ein schmutziges Geschäft, das durch China seit 1. Jänner 2018 angekurbelt wird. Denn plötzlich hat der bis zu jenem Zeitpunkt weltweit größte Müllimporteur beschlossen, gleich 24 Recyclingmaterialien aus dem Ausland nicht mehr zu entsorgen. Ein Riesenproblem: 56 Prozent aller Plastikabfälle weltweit landeten bis dahin in China. Schließlich exportierten EU-Mitgliedsstaaten 87 Prozent ihres Plastikmülls ins „Reich der Mitte“.

Müll wird oft Tausende Kilometer gekarrt
Nicht recycelbarer Abfall, der nun woanders entsorgt werden muss. Und in der Folge oft Tausende Kilometer in andere Länder gekarrt wird, weil es an Mülldeponien fehlt. Wie in Italien, wo derzeit viele Städte regelrecht im Müll ersticken. Und so werden nun 7000 Tonnen an italienischem Müll über Hunderte Kilometer zu einer Entsorgungsfirma in Niederösterreich gekarrt. Was vor allem unter Klimaschützern für Aufregung sorgt.

Oftmals wird der Müll aber auch einfach nur aus Kostengründen auf Reisen geschickt. So landet z.B. der Großteil des weltweiten Elektroschrotts illegal in Afrika, wo Banden einen Spottpreis dafür kassieren, den Müll einfach in Flammen aufgehen zu lassen. Umweltschutz spielt dabei keine Rolle, wie die „Krone“ bei einem Lokalaugenschein in Ghana feststellen musste.

Video: Der Trailer zum österreichischen Film „Welcome to Sodom“ über eine Elektroschrottdeponie in Ghana

Beinahe täglich neue Fälle in Tschechien
Aufschrei in Sachen Abfall-Tourismus auch in Tschechien: Unsere Nachbarn sehen sich mittlerweile als Europas illegale Mülldeponie. Beinahe täglich schon fliegen hier nicht genehmigte Abfalltransporte auf. Erst vor einigen Tagen stoppten Zollfahnder an der Grenze im Zuge einer Aktion scharf 17 Lkw aus Österreich und Deutschland, die insgesamt 400 Tonnen Plastikmüll illegal in Tschechien abladen sollten.

„Die Problematik ist uns bewusst“
Österreichs Entsorgungslegende Hans Roth fordert im „Krone“-Interview absolute Sauberkeit und Korrektheit beim Export und Import von Abfällen.

„Krone“:Ist das nicht alles eine Sauerei im wahrsten Sinne des Wortes?
Hans Roth: Wenn wirklich illegal Abfall nach Tschechien gebracht wird, dann ist das nicht korrekt, und diese Firmen gehören bestraft.

Nur schwarze Schafe?
So etwas machen nur Unternehmen, die keine wirklichen Entsorger sind und den Graubereich, dass durch offene Grenzen in Europa möglicherweise nicht mehr so viel kontrolliert wird, ausnutzen.

Ein klares Nein also zum kriminellen Mülltourismus?
Es gibt eine klare rote Liste gefährlicher Abfälle, für die ein gesetzliches Exportverbot gilt.

Genereller Zugang?
Dass neue Partnerländer gesucht werden, kann ich verstehen, da China ein großer Abnehmer war und nun eigene Sammelsysteme entwickelt. Dagegenwirken kann man nur, indem man in Österreich in Anlagen investiert.

Daten & Fakten:

    • Allein im Jahr 2017 wurden insgesamt 3,42 Millionen Tonnen Abfall aus Österreich zur Entsorgung über die Grenzen ins Ausland verbracht.
    • 4,24 Millionen Tonnen ausländischer Müll landeten im Gegenzug bei uns. Dabei wird zwischen genehmigungspflichtigen Abfalltransporten (nach EU-Verordnung geregelt) und Verbringungen von Müll der „Grünen Liste“ unterschieden.
    • Für den Export von Abfall aus der „Grünen Müll“-Liste (z.B. Metallrückstände, Altpapier oder Kartonagen) ist innerhalb der Europäischen Union keine Genehmigung erforderlich. Von diesen „Grünen Abfällen“ haben 2017 rund 2,5 Millionen Tonnen unser Land verlassen. Rund 3,2 Millionen Tonnen wurden aus dem Ausland bei uns abgeladen.
    • Parallel verließen 930.900 Tonnen genehmigungspflichtige Abfälle unser Land, 952.800 Tonnen wurden geliefert.
    • Der nach Österreich exportierte Müll stammt hauptsächlich aus Deutschland, Italien und Slowenien.

Klaus Loibnegger und Mark Perry, Kronen Zeitung

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