25.01.2020 07:00 |

Was stimmt, was nicht?

Entlarvt: Die zehn größten Plastikmythen

Während die Welt im Plastikmüll versinkt, hält die Verpackungsindustrie am Einsatz von Einwegplastik fest und kurbelt die Produktion weiter an. Im nächsten Jahrzehnt soll die Plastikherstellung weltweit um bis zu 40 Prozent steigen. Statt auf ressourcenschonende, wiederverwendbare Verpackungen umzusteigen, investieren Industrie und Handel weiter in umweltschädliches Wegwerfplastik und verteidigen dies mit fragwürdigen Argumenten.

Österreichs Recyclingquote deutlich geringer, als viele glauben. Nur rund 52 Prozent aller Haushaltsabfälle werden überhaupt recycelt. Die Müllberge wachsen kontinuierlich - und damit auch die Plastikplage. In einem neuen Bericht widerlegt Greenpeace zehn verbreitete Plastikmythen und zeigt nachhaltige Alternativen auf.

1. „Österreich ist ein Vorzeigeland in Sachen Plastikrecycling“
Hierzulande fallen circa 900.000 Tonnen Plastikmüll an, davon werden rund 71 Prozent thermisch verwertet, also verbrannt. 28 Prozent werden recycelt und circa ein Prozent wird deponiert. Besonders problematisch dabei: Kurzlebiger Plastikverpackungsmüll macht etwa ein Drittel des gesamten Plastikmülls aus und dieser wird ebenfalls nur zu etwa 25 Prozent recycelt. Und die Müllberge wachsen weiter - für 2021 hat das Umweltbundesamt über eine Million Tonnen Plastikmüll prognostiziert.

2. „Alles ist recyclebar“
Auf vielen Verpackungen findet sich heute das Wort „recyclebar“ - egal, ob es sich dabei um eine Kartonverpackung oder um ein Produkt aus nicht abbaubarem Bioplastik handelt. Aber: Nur, weil etwas recycelt werden kann, heißt das noch lange nicht, dass es auch wirklich recycelt wird - vor allem nicht, wenn das Produkt im Restmüll landet. Es wären in vielen Fällen eigene Entsorgungssysteme nötig, um das Recycling sicherzustellen. Gut recycelt werden können nur reine Kunststoffabfälle wie beispielsweise PET-Flaschen. Ein großer Teil der weggeworfenen Plastikverpackungen besteht jedoch aus sogenannten Verbundstoffen - wie etwa Tetrapak, das in der Regel aus einer Karton-, Alu- und Plastikschicht besteht und somit nur schwer recycelbar ist. Übrigens: Auch Bioplastik landet meist nicht in einem nachhaltigen Kreislauf.

3. „Plastikflaschen sind die hygienischste Lösung“
Wer Trinkflaschen nach dem Kauf selbst mehrmals verwenden möchte, sollte in Punkto Hygiene eine Glasflasche wählen. Bei Verpackungen aus Kunststoff können außerdem gesundheitsschädigende Stoffe aus der Verpackung in das Lebensmittel übergehen und so möglicherweise verzehrt werden. Außerdem werden (Pfand-)Glasflaschen viel öfter zurückgegeben und landen deutlich seltener in Böschungen, Büschen und Bächen.

4. „Plastikflaschen werden wieder zu neuen Plastikflaschen“
Plastikflaschen könnten prinzipiell zu neuen Plastikflaschen wiederverwertet werden. Oft wird das Recyclingmaterial jedoch als minderwertig betrachtet und somit abgelehnt. Generell ist der Recycling-Anteil in Österreich und weltweit noch sehr gering. 2018 wurden hierzulande gerade einmal 28 Prozent der PET-Flaschen zur Herstellung von neuen Flaschen verwendet.

5. „In Österreich gelangt fast kein Plastikmüll in die Umwelt“
Auch in Österreich landet noch immer Plastik in der Umwelt - trotz eines vergleichsweise sehr gut funktionierenden Abfallentsorgungssystems. Ein zentrales Problem dahinter ist das „Littering“ - also das illegale Entsorgen bzw. achtlose Wegwerfen von Abfällen wie Flaschen, Zeitungen oder Zigarettenstummeln. Das Mittelmeer etwa droht bereits im Plastikmüll zu ersticken.

6. „Recycling ist der beste Weg aus der Plastikkrise“
Recycling von etwa Getränkeflaschen bedeutet, dass eine Flasche zwischen jeder Nutzung unter hohem Energieeinsatz zerschreddert, zu Plastikflakes zerkleinert und geschmolzen wird. Aus diesen entsteht - wieder unter hohem Energieeinsatz - eine neue Flasche. Die Waschung und Wiederbefüllung von Flaschen ist in regionalen Mehrwegsystemen deutlich umweltfreundlicher. Am ökologischsten ist immer die Wiederverwendung der Flasche.

7. „PET-Flaschen haben eine gute Ökobilanz“
Eine Ökobilanz muss immer sinnvoll abgegrenzt werden, denn keine Studie kann alle erdenklichen Umweltauswirkungen auf einmal abbilden. Oft rechnen Unternehmen bei den Ökobilanzen ihrer Produkte zum Beispiel nicht ein, welchen Schaden diese im Fall von Littering in der Umwelt anrichten. In anderen Fällen werden beispielsweise unrealistische Annahmen für Transportkilometer getroffen.

8. „Plastikflaschen sind beim Transport besonders umweltfreundlich“
Hinter einer Einwegflasche verbirgt sich im Gegensatz zur Mehrwegflasche noch deutlich mehr Müll als auf den ersten Blick zu sehen ist. Acht Mehrwegflaschen ersetzen damit nicht nur bis zu 400 Einwegflaschen, sondern auch bis zu 15 Einweg- Verpackungen durch eine Mehrwegkiste, die wiederum durchschnittlich zehn Jahre eingesetzt werden kann.

Lesen Sie HIER, wie Sie selbst schnell und einfach positive Veränderungen
in Sachen Umweltschutz herbeiführen können.

9. „Plastik ist in vielen Anwendungen unverzichtbar“
In Industrieanwendungen oder in der Medizin wird Plastik als hochwertiges Material eingesetzt und hat aktuell in vielen Anwendungen seine Berechtigung. Doch ein Großteil des Plastiks wird für Verpackungsmaterial oder Einwegartikel produziert. Weltweit werden über 400 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert.

10. „Plastikvermeidung liegt in der Verantwortung der Konsumenten“
Natürlich können wir alle einen Beitrag leisten, indem wir achtsam einkaufen, wiederverwenden und Müll trennen. Das nimmt aber die Hersteller von Wegwerfartikeln nicht aus der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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