22.04.2020 23:55 |

Bundeskanzler im Talk

Kurz: Ab Mai wieder normale soziale Kontakte

In unserer brandaktuellen Corona-Sondersendung, #brennpunkt, spricht Katia Wagner mit Österreichern darüber, wie sie mit der Krise umgehen. Den Anfang macht Bundeskanzler Sebastian Kurz, der einen Ausblick auf die nächsten Monate gibt. So werden die Ausgangsbeschränkungen mit Ende April auslaufen, ab Mai wird es wieder möglich sein, Familie und engste Freunde zu treffen. Die Sendung können Sie im Video oben sehen.

Die neue Normalität wird zwar noch „sicherlich einige Monate“ anhalten, allerdings stellt Bundeskanzler Sebastian Kurz in Aussicht, dass es möglich sein wird, in Zukunft wieder ein Leben führen zu können, wie es vor dem Virus war - vorausgesetzt, dass die Maßnahmen jetzt eingehalten werden. Langfristig werde auch ein Leben ohne Schutzmasken möglich sein, so Kurz.

Die Angst vor einer zweiten Infektionswelle sei „sehr groß“. Österreich habe zwar „extrem viel geschafft“, aber das Virus sei noch da. Der Bundeskanzler verteidigt im Gespräch auch die restriktiven Maßnahmen, denn schließlich hätten wir „ohne Shutdown dieselbe Situation wie in Italien“. Deswegen würden andere Länder auch unser Vorgehen kopieren.

Kurz: „Virus macht keine Pause, nur weil Sommer ist“
Die jetzige Phase des Wiederhochfahrens des Landes wird zwar ein Stück weit ein normales, gesellschaftliches Leben ermöglichen, man müsse aber trotz sommerlicher Temperaturen nach wie vor behutsam vorgehen. Für den Sommer 2020 gilt: „So viel Freiheit wie möglich“, aber gewisse Einschränkungen wird es in der Freizeitgestaltung dennoch geben.

Katia Wagner hat sich bei den Österreichern umgehört, mit ihnen über ihre Sorgen gesprochen und ihr derzeitiges Leben beleuchtet. Die ausführlichen Interviews sehen Sie in der Sendung oben, hier lesen Sie einige Auszüge. Besonders hart hat es die Gastronomen getroffen.

Herbe Kritik: „Die Banken lassen uns total im Stich!“
Darunter Gert Kunze vom Café Eiles: „Ich habe alle Mitarbeiter auf Kurzarbeit setzen müssen und warte auf den Startschuss. Die Banken lassen uns Gastronomen leider derzeit total im Stich. Die Rettungsprogramme sind zu kompliziert. Somit haben wir von den viel kommunizierten Hilfen jetzt so gut wie nichts.“ Problematisch sei, dass das Geld aus den Hilfsfonds im Nachhein ausbezahlt werde: „Ich kenne keinen meiner Kollegen, bei dem das Geld angekommen wäre.“

„Ewige Pressekonferenzen gehen mir auf den Wecker“
Eva Dichand, Herausgeberin der Tageszeitung „Heute“, war selbst mit dem Coronavirus infiziert, ist aber mittlerweile wieder völlig gesundet. Anfang Feburar habe sie die ersten Symptome wie Husten und starke Rückenschmerzen gehabt. Der Covid-19-Test war daraufhin positiv. Die Konsequenzen: „Mit meinem Mann - der auch Corona bekam - und den Kindern bin ich drei Wochen daheim geblieben, wir haben uns völlig isoliert.“ Die Isolation sei generell für viele Menschen mehr Belastung, „als nach außen hin sichtbar ist“.

Die Herausgeberin betont, dass es kein Corona-Shaming geben dürfe: „Kein Mensch kann etwas dafür, wenn er sich mit dieser Krankheit ansteckt." Für die Arbeit der Bundesregierung findet sie Lob: „In Österreich wurde sehr, sehr gut reagiert, auch sehr früh." Allerdings: „Die dauernden Pressekonferenzen gehen mir am Wecker, und ich finde, dass die Schulen viel zu spät aufmachen. Die Menschen können nicht arbeiten gehen, wenn sie ihre Kinder nicht in die Schule bringen können.“

Alleinerzieherin und Würstelstandbesitzer
Sonja Hellsberg ist alleinerziehende, berufstätige Mama mit drei Kindern. Ihr gehe es in der Quarantäne prinzipiell gut, aber: „Uns fällt schon oft die Decke auf den Kopf. Es gibt mehrere Ausraster in der Familie pro Tag, aber wir kommen ganz gut durch.“ Zu den Schulen sagt sie: „Die Eltern und die Lehrer arbeiten derzeit super zusammen. Ich gehe nicht davon aus, dass es bald normalen Schulbetrieb geben wird, aber wir persönlich haben damit auch keinen Stress. Ich glaube, diese ganze Krise hat es auch irgendwie gebraucht.“

Sepp Bitzinger, Würstelstand-Besitzer, fürchtet, dass viele seiner Kollegen schwere Probleme bekommen werden: „Es wäre schlimm, wenn viele Traditionsbetriebe in Wien eingehen würden. Die große Fadesse, wenn man nicht arbeiten kann, macht diese ganze Situation noch schlimmer. Unser Geschäft wird auch erst wieder so richtig laufen, wenn im Herbst wieder die Discos und Kulturbetriebe aufsperren dürfen.“

Designer La Hong näht Corona-Masken
Der Designer La Hong Nhut näht statt seiner berühmten Abendkleider nun Corona-Masken: „Ich habe jetzt kaum Möglichkeiten, schöne Kleidung zu machen, aber ich nütze meine Zeit sinnvoll und produziere aus Reststoffen Masken. Im St. Anna Kinderspital haben sie meine Masken gut brauchen können. So konnte ich auch einen kleinen Beitrag leisten.“

Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike begrüßt, dass mit Mitte Mai die Schulen wieder aufsperren sollen: „Langsam müssen wir zu einer neuen Normalität finden.“ Die kürzere Vorbereitungszeit seien laut Uzodike ausreichend: „Ich denke, es ist so machbar.“ Ist die Matura diesmal besonders billig, weil die mündliche Prüfung entfällt? Nein, so Uzodike: „Es sind schwierige Zeiten und es ist eben auch eine andere Matura dieses Mal.“

Friseurin rechnet mit Umsatzeinbußen
Auch die Friseure hat es in dieser Krise hart getroffen. Katharina Strassl vom Friseur Strassl berichtet: „Wir Friseure sind von 100 auf null zugesperrt worden. Die Kurzarbeitsgelder mussten vorgestreckt werden, das hat unsere Rücklagen verbraucht.“ Auch die geplanten Verordnungen haben für den Friseurbetrieb weitreichende Konsequenzen: „Wir müssen in den Salons dennoch jeden zweiten Stuhl frei lassen, deshalb sind unsere Ressourcen jetzt zum Start sehr gering. 50 Prozent Umsatzeinbußen werden wir auch nach der Wiedereröffnung wegen ,Social Distancing‘ haben.“

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Sämtliche Ausgaben unseres Talk-Formats „Brennpunkt“ mit Moderatorin und Kolumnistin Katia Wagner zum Nachsehen finden Sie unter krone.at/brennpunkt.

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