Ehefrau getötet

„Da war nur noch Zorn in mir - und Liebe ...“

Sie galten als ein Traumpaar. Hatten zwei brave Kinder, ein hübsches Haus, gute Jobs. Dann brachte Nicolae T. seine Frau um. Jetzt wurde seine Psyche analysiert.

Er sitzt in seiner Zelle in der Justizanstalt Sankt Pölten, und er weint und weint. „Warum habe ich so etwas Schreckliches getan?“, fragt er seine Anwälte – Astrid Wagner und Florian Höllwarth –, wenn sie ihn in der Haft besuchen; fragt er seinen Bruder, wenn er über das Anstaltstelefon mit ihm telefoniert. Die Antwort – Nicolae T. weiß sie, in Wahrheit, selbst. Er hat mittlerweile begriffen, in welch absurdem Abwärtsstrudel er sich in den Monaten vor seiner grauenhaften Tat befunden hat. Aber er verstehe dennoch nicht, schluchzt er, „wie ich es schaffen konnte, meine Frau umzubringen“. Damals, am 15. Jänner 2020, im Haus der beiden in Ybbs an der Donau (NÖ).

Verbrechen ging Eifersuchtsdrama voraus
Dem Verbrechen war, erzählte der 51-Jährige mittlerweile Gerichtspsychiaterin Sigrun Rossmanith, ein Eifersuchtsdrama vorausgegangen: „Ich hatte mich in einer Situation befunden, mit der ich einfach nicht fertiggeworden bin.“

In seiner immensen Kränkbarkeit, die – so die Sachverständige – auf seinem extrem geringen Selbstwertgefühl beruht. Der Mann, der bis zu der Tragödie immer als besonders vernünftig und unauffällig gegolten hatte – wer ist er? Was ist seine Lebensgeschichte?

„Mein Glück war perfekt“
Nicolae T. wuchs in Rumänien auf, mit einem um drei Jahre älteren Bruder, in behüteten Verhältnissen. Nach der Matura wanderte er nach Österreich aus und baute sich hier schnell eine gesicherte Existenz auf. „Mein Glück“, sagt er, „war perfekt, als ich 1999 Gabriela kennenlernte.“ Eine Landsfrau, um neun Jahre jünger als er: „Wir verliebten uns sofort unsterblich ineinander.“ 2001 die Heirat, noch im selben Jahr bekam das Paar eine Tochter, 2004 einen Sohn.

„Die Familie war Nicolae sehr wichtig“, berichtet sein Bruder. Und ja, die Ehe habe stets glücklich gewirkt, „die Kinder entwickelten sich prächtig“. Lernten brav, besuchten das Gymnasium. Und sonst? Der Mann und die Frau arbeiteten fleißig; sie – eine gelernte Friseurin – bei einer Aufzugsfirma, er für eine Brauerei. 2016 hatte das Paar genug Geld gespart, um ein Eigenheim anzukaufen. Und trotzdem gab es weiterhin im Sommer Urlaube am Meer und im Winter in den Bergen. „Nein, es fehlte uns an nichts“, wird Nicolae T. nicht müde zu betonen.

„Plötzlich begann sie sich zu verändern“
Aber im Frühjahr 2019 hätte sich „Gabriela zu verändern“ begonnen; langsam, schleichend: „Sie wirkte oft abwesend.“ Womit die 42-Jährige ihre Wesenswandlung begründete? „Sie meinte, ich würde mich zu wenig um sie kümmern – und zu viel heimwerken. Also arbeitete ich fortan zu Hause weniger. Ihr Verhalten blieb dennoch gleich.“

Dann, im Sommer, habe sich „die Lage zugespitzt. Gabriela entfernte sich noch mehr von mir und trug plötzlich dauernd ihr Handy bei sich. Da kam der Verdacht in mir auf, dass sie mich vielleicht betrügt.“

In seinem unbändigen Misstrauen drang er in ihren Facebook-Account ein, fand Nachrichten von einem ihrer Kollegen: „Er machte ihr Komplimente. Ich stellte meine Frau zur Rede, sie beteuerte, zwischen ihr und diesem Mann wäre bloß Freundschaft.“ Doch der vermeintliche Nebenbuhler und sie „gaben das Chatten nicht auf – und zu Weihnachten schenkte er ihr sogar ein Parfum, auf dem ein Sticker mit der Aufschrift ,I miss you‘ klebte.“

In der Folge kam es zu Aussprachen, auch vor den gemeinsamen Kindern: „Ich wollte die Wahrheit wissen. Eine Trennung hätte ich verkraften können, nicht aber einen Verrat.“

Peilsender am Wagen montiert
Letztlich montierte Nicolae T. einen Peilsender im Wagen seiner Frau, „die Auswertungen waren für mich eindeutig: Sie traf sich heimlich mit dem anderen.“ Auch an dem Tag, an dem er sie töten sollte, sei das so gewesen. Nach dem Abendessen habe sie ihm im Keller die Haare geschnitten: „Ich sprach sie wieder auf den von mir vermuteten Betrug an. Und sie gab ihn endlich zu.“ Da habe er „schwarzgesehen. Ich spürte Zorn und Liebe gleichzeitig in mir, ich griff nach einem Klappmesser, das in Gabrielas Friseurkasten lag“, und er durchschnitt ihr damit die Kehle.

„Meine Strafe ist mir egal“
Der Sohn und die Tochter des Paars leben nun bei Verwandten, sie haben sich von ihrem Vater abgewandt: „Ich verstehe sie. Denn ich habe ihnen Fürchterliches angetan.“ Der Prozess gegen Nicolae T. wird vermutlich im kommenden Herbst stattfinden. „Meine Strafe“, sagt er, „ist mir egal.“

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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