05.04.2020 07:30 |

Corona-Hotspot

Köchin (29): „Nie wieder gehe ich nach Ischgl“

In allen (inter-)nationalen Medien liest man dieser Tage das Wort „Ischgl“, verbunden mit großteils negativen Corona-Schlagzeilen. „Zu Recht“, betont eine Köchin (29) aus der Steiermark, die bis vor Kurzem im „Ballermann der Alpen“ arbeitete und ihre Erlebnisse schildert.

Sie war in einem renommierten Hotel tätig - bis Corona kam. „Als bekannt wurde, dass das Skigebiet geschlossen wird, hatten wir schon die einvernehmliche Kündigung vor uns liegen“, erzählt die Frau, die anonym bleiben will. Sie hat unterschrieben, wie alle anderen auch. Im Glauben, keine andere Möglichkeit zu haben und gleich nach Hause zu dürfen. Beides stellte sich als falsch heraus.

„Wir erhielten alle Infos nur aus den Medien“
„Wir haben geputzt, bis am Freitag, den 13. März, um 13.30 Uhr ein Anruf kam, wir sollen Ischgl verlassen. Ab 14 Uhr ist zu.“ So schnell ging das natürlich nicht, zwei Stunden später saß sie aber in einem Bus - und wurde in Pians wieder zurückgeschickt. „Während die Touristen alle ausreisten“, klagt sie an. In ihrem Personalzimmer harrte sie in Quarantäne aus. „Infos gab es keine, wir haben alles aus den Medien erfahren“, schildert die Steirerin.

„In Ischgl regiert die Geldgier“
Die Touristen seien wesentlich besser als die Mitarbeiter behandelt worden, eine Strategie sei vor Ort nie zu erkennen gewesen: „Es herrschte einfach nur Chaos. Ich verstehe nicht, warum sie nicht sofort alles dichtgemacht haben, als die ersten Fälle bekannt wurden“, sagt sie und vermutet: „In Ischgl regiert die Geldgier.“

Während die 29-Jährige im Paznaun festsaß, stellte ihr Vater Bemühungen an, seine Tochter heimzuholen: „Von der Gemeinde über die Bezirkshauptmannschaft bis hin zum Gesundheitsministerium haben wir überall angerufen, aber niemand konnte uns etwas sagen.“

Dann der Schock: Die Quarantäne wurde am 26. März um zwei Wochen verlängert. „Infos für uns gab es aber wieder nicht“, beteuern Vater und Tochter. „Zur Überraschung kam noch dazu, dass die britischen Saisonarbeitskräfte am Samstag, dem 28. März, ausgeflogen wurden. Am Montag, dem 30. März, durften die deutschen und ungarischen Arbeiter raus“, so der Vater. Nur die Österreicher, so der Eindruck, saßen weiter fest.

Am Dienstag endlich ausgereist
Dienstag dieser Woche gelang schließlich die Ausreise mit einem Bus. Die 29-Jährige ist nun wieder zu Hause. Nach Ischgl, da ist sie sich sicher, will sie aber nie wieder. „Denn der bittere Nachgeschmack, der Umgang mit uns Mitarbeitern, der bleibt.“

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Dienstag, 26. Mai 2020
Wetter Symbol
Tirol Wetter
10° / 19°
bedeckt
9° / 20°
stark bewölkt
7° / 14°
leichter Regen
8° / 22°
stark bewölkt
8° / 20°
wolkig

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.