Bei Demo in London

Tod nach Attacke: Polizist muss nicht vor Gericht

Ausland
22.07.2010 14:22
Jener Polizist, der für den Tod eines Mannes am Rande einer Demonstration gegen den G-20-Gipfel in London im Jahr 2009 verantwortlich gemacht wurde, muss nicht vor Gericht. Nach einer ausführlichen Untersuchung des Falles habe sich gezeigt, dass es "keine reale Aussicht auf eine Verurteilung" des Polizisten gebe, sagte der Direktor der britischen Staatsanwaltschaft, Keir Starmer, am Donnerstag in London.

Der 47-jährige Zeitungsverkäufer Ian Tomlinson war am 1. April 2009 von einem Polizisten am Rande der G-20-Demonstrationen in der Londoner Innenstadt mit einem Schlagstock attackiert und zu Boden gestoßen worden. Wenige Minuten später brach er tot zusammen. Ein Amateurvideo, das die Situation zeigte, ging um die Welt (siehe Infobox). Die Familie des Opfers bezeichnete die Entscheidung der Staatsanwaltschaft als "schändlich" und kündigte über ihren Anwalt an, sie eventuell anzufechten.

Verschiedene Ergebnisse bei Obduktionen
Eine erste Obduktion hatte ergeben, Tomlinson sei an einem Herzinfarkt gestorben. Eine zweite hingegen stellte innere Blutungen als Todesursache fest. Seitdem war gegen den Polizisten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt worden. Bis heute sei unter Medizinern strittig, woran Tomlinson tatsächlich gestorben sei, erläuterte Starmer. Man habe während einer unabhängigen Untersuchung probiert, diese Meinungsverschiedenheiten auszugleichen, jedoch ohne Erfolg.

Die Polizei hatte der Witwe und den neun Kindern des Mannes zunächst gesagt, Tomlinson sei an einem Herzinfarkt gestorben, als er zwischen den Menschenmassen auf der Straße festsaß. Das Amateurvideo hatte dann gezeigt, wie der Polizist ihn von hinten schlug. Möglicherweise wurde er auch von einem Polizeihund gebissen. Er schleppte sich noch rund 100 Meter weiter in eine Straße, wo er wenige Minuten später tot gefunden wurde.

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