In "Sniper: Ghost Warrior" verschlägt es den Spieler als Teil einer Spezialeinheit in den südamerikanischen Dschungel der Isla Trueno. Ein fieser Diktator hat in dem tropischen Paradies die Macht übernommen und regiert nun grausam und mit eiserner Hand. Zeit, dass sich das mithilfe eines M25-Scharfschützengewehrs ändert.
Bereits in der ersten Mission wird klar: Dieses Spiel sieht richtig gut aus. Entwickler City Interactive hat dank "Chrome 4 Engine" eine wirklich atemberaubende Dschungellandschaft geschaffen, die nicht nur mit detailreichen Ruinen und Dörfern, sondern auch mit massig Bäumen und Unterholz glänzt. Dieses ist für den Sniper natürlich besonders wichtig – schließlich sind seine Attacken am wirkungsvollsten, wenn er sie vor feindlichen Blicken versteckt aus dem Hinterhalt ausführen kann.
Unterholz leider nicht blickdicht
Leider hält die dichte Vegetation oft nicht, was sie verspricht: Mehr als einmal – um nicht zu sagen ständig – entdecken die Gegner den Marine, obwohl er selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen kann. Die meiste Zeit ist also mehr als doppelte Vorsicht angesagt, um keinen Alarm auszulösen. In manchen Einsätzen beendet dieser nämlich sogar die Mission. Dann heißt es leider Game Over und der Spieler muss von vorne anfangen. Das kann unter Umständen richtig frustrierend sein, und spätestens nach dem sechsten Versuch fragt man sich, ob man das Gewehr nicht doch lieber beim nächsten Schuss verkehrt herum halten will.
Apropos Schuss: Die Handhabung des Gewehrs ist übrigens richtig gut gelungen. Wind, Umwelteinflüsse, die Anspannung und die Atmung des Schützen wirken sich auf den Erfolg eines Schusses aus. Zum Glück kann der Spieler aber auch seinen virtuellen Atem verlangsamen, was das Zielen um einiges einfacher werden lässt. Streckt der Heckenschütze einen Feind dann mit einem Kopfschuss nieder, wird das sogar richtig schön mit einer Kamerafahrt entlang dem Kugelflug bis hin zum Treffer gezeigt – ein nettes Feature, das zumindest die ersten zehnmal richtig cool wirkt.
Um den Spieler zu den Schleich- und Scharfschützen-Passagen eine Abwechslung zu bieten, sind in "Sniper" zudem einige klassische Shooter-Missionen eingebaut. Dabei erstürmt man in der Rolle eines Soldaten einer Spezialeinheit beispielsweise Bohrinseln vor der Küste und ballert sich den Weg ganz klassisch mit dem Maschinengewehr frei.
Feinde mit automatischer Zielerfassung
Leider haben die Entwickler hier aber besonders gepatzt: Auch wenn die Gegner ansonsten nicht die hellsten Köpfe sind, zeigen sie sich in diesen Szenen quasi unbezwingbar, da allsehend und vor allem "alltreffend". Egal wie weit sie entfernt sind – jeder Schuss sitzt. So hat der Gamer meist schon nach den ersten paar Metern eines Levels seine Erste-Hilfe-Spritzen verbraucht, die ihm die Lebensenergie wiedergeben. Im Anschluss versucht er nur mehr, seine mickrigen 30 Prozent Lebensenergie, die sich automatisch wieder auffüllen, nicht zu verlieren.
Ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich an manchen Passagen neu laden musste, es war jedenfalls am Ende schon nicht mehr lustig und eigentlich fast unspielbar. Das ist besonders schade, weil die Idee, dadurch Abwechslung in das Spielgeschehen zu bringen, eigentlich eine gute wäre.
Fazit: "Sniper: Ghost Warrior" ist ein Shooter mit einer guten Grundidee, wirklich schöner Grafik und einem ebenso schwerwiegenden Fehler: Die mit Röntgenblick und automatischer Zielerfassung versehenen Gegner nerven an manchen Stellen des Spiels nur, an anderen machen sie die Spielerfahrung aber richtig, richtig frustrierend. Dann nämlich, wenn bei mittlerem Schwierigkeitsgrad auch im zehnten Anlauf ein Durchkommen unmöglich scheint und der Gamer eigentlich nur mehr die Tastatur in den Bildschirm feuern möchte. Am Ende des Tages kann man sagen, dass "Sniper: Ghost Warrior" zwar kein Desaster, aufgrund besagter Bugs leider aber auch nicht halb so gut ist, wie es hätte werden können.
Plattform: PC (getestet), Xbox 360
Publisher: City Interactive
krone.at-Wertung: 6/10
von Stefan Taferner
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