16.02.2020 19:00 |

Theater in Graz

Die Weiblichkeit spricht mit männlicher Stimme

Ein Stück über Weiblichkeit als Solo für einen männlichen Darsteller - kann das funktionieren? Und wie! Das beweist die Grazer Gruppe Follow the Rabbit mit dem Stück „He for She“. Nadja Brachvogel nutzt in ihrer ersten Regiearbeit ihren Mann Martin Brachvogel als Medium für ihre Botschaften. Das Resultat ist smart, humorvoll und berührend.

„Martin macht das gern“, sagt Martin, während er in Unterwäsche die Strümpfe seiner Frau Nadja stopft. An diesem Abend wird Martin noch viel über Martin sprechen - und doch nie wirklich zu Wort kommen. Denn jedes Wort, das er äußert, hat ihm Nadja in den Mund gelegt - das ist der Clou dieses Stücks: Eine Frau benutzt hier ihren Mann als Medium für ihre Botschaften.

Sonore Stimme statt hoher Frequenz
Die Frage nach dem Warum ist traurigerweise einfach zu beantworten: Einen Mann im Anzug mit sonorer Stimme nimmt man in unserer Gesellschaft halt immer noch ernster als eine „kleine Dicke mit hoher Frequenz“.

Also spricht Martin für Nadja - als Nadja: über ihre körperliche Entwicklung (inklusive Busengrapscher-Statistik) und das Zweifeln an ihrem Wert als Künstlerin, über ihr Hadern mit der Kinderfrage und dem Frausein per se. Und immer wieder bringt sie auch Krisen der Beziehung aufs Tapet - an einigen davon war Martin offensichtlich nicht ganz unschuldig.

Das „Mann-Frau-Ding“
Das humorvolle Spiel mit „diesem Mann-Frau-Ding“, das einen als Zuseher dazu zwingt, konstant die Perspektive zu wechseln, ist nur ein Teil des Charmes dieser Produktion. Auf berührende Weise arbeitet Nadja Brachvogel sich anhand ihrer Biografie an den gesellschaftlichen Bedingungen des Frauseins ab.

Es ist die erste Regiearbeit einer der herausragenden Figuren der Freien Szene in Graz - und Brachvogel entwickelt ihre eigene Stimme als Künstlerin, indem sie die Stimmbänder ihres Mannes nutzt. Martin Brachvogels uneitle und einfühlsame Performance runden einen Theaterabend ab, der Herz und Hirn mit Humor vereint. Unbedingt anschauen - noch zu sehen von 26. bis 29. Februar.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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