13.02.2020 17:34 |

Plädoyer in New York

Weinstein-Anwältin: „Mein Mandant ist unschuldig“

Im Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein hat seine Chefanwältin Donna Rotunno die Vorwürfe gegen ihren Mandanten scharf zurückgewiesen. „Er war unschuldig, als er hier in das Verfahren kam, er war unschuldig, als jeder Zeuge ausgesagt hat, und er ist jetzt gerade unschuldig“, sagte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer vor dem Obersten Gericht in New York.

Gleichzeitig betonte sie am Donnerstag vor den Geschworenen, wie wichtig es sei, dass Weinstein mit den gleichen Maßstäben wie alle anderen Angeklagten behandelt werde: „Historisch gesehen sind Sie die letzte Verteidigungslinie dieses Landes.“

Verteidigung zweifelt an der Anklage
Sie zweifelte an der Darstellung der Anklage, dass die Opfer keine Verantwortung dafür tragen würden, wenn sie mit Weinstein auf ein Hotelzimmer gegangen seien oder er für sie Flüge buchte. Rotunno zeigte E-Mails und erinnerte an Aussagen von Zeugen, die ihrer Darstellung zufolge belegten, dass die Frauen von Weinstein profitiert und auch nach den mutmaßlichen Sexualverbrechen noch ein gutes Verhältnis zu dem Filmproduzenten gehabt hätten.

Weinstein soll seine Macht missbraucht haben
In den vergangenen drei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft versucht, mithilfe von sechs Zeuginnen das Muster eines Mannes offenzulegen, der seine Macht in der Filmindustrie systematisch ausnutzte, um sich junge Frauen gefügig zu machen. Weinstein sei ein Mann, der den Frauen für Sex Karrierehilfe versprochen und sie bei einem Nein zum Geschlechtsverkehr gezwungen und vergewaltigt habe. Der 67-Jährige streitet alle Vorwürfe ab und spricht von einvernehmlichen sexuellen Kontakten. 

Vorwürfe von mehr als 80 Frauen
Mehr als 80 Frauen haben Weinstein seit 2017 sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In dem Prozess geht es im Kern jedoch nur um zwei Fälle: Weinstein wird vorgeworfen, 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oralsex gezwungen zu haben, eine andere Frau soll er 2013 vergewaltigt haben. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Der Prozess gilt als Meilenstein der MeToo-Bewegung, die von dem Fall ausgelöst wurde.

Am Freitag ist die Anklage mit ihrem Plädoyer an der Reihe. Ab Dienstag nächster Woche sollen sich die zwölf Geschworenen dann auf unbestimmte Zeit zu Beratungen zurückziehen, um über Schuld oder Unschuld Weinsteins zu entscheiden.

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