09.07.2010 09:47 |

Gürtel gesperrt

Wasserrohrbruch legt Frühverkehr in Wien lahm

Ein Wasserrohrbruch hat in der Nacht auf Freitag eine der Wiener Hauptverkehrsadern lahmgelegt und für Staus im Frühverkehr gesorgt. Gegen 2 Uhr wurden die Wasserwerke alarmiert, dass am äußeren Lerchenfelder Gürtel (Nummer 23 - 25) eine Versorgungsleitung geplatzt sei, sagte ein Sprecher. Ein Teil des Äußeren Gürtels bleibt zumindest bis Samstag gesperrt, eine Fahrspur konnte aber wieder freigegeben werden.

"Es ist keine Hauptleitung geplatzt, der Wasseraustritt ist eigentlich gar nicht so schlimm", sagte der Vertreter der Wasserwerke. Das Problem seien die Betonfelder am Gürtel. "Das Wasser hat die Straße unterspült, eines der Felder hat sich sogar um zehn Zentimeter gehoben. Deshalb mussten wir den Äußeren Gürtel sperren." Mittlerweile ist eine Fahrbahn wieder befahrbar, die Umleitung über Hasnerstraße - Hippstraße - Gablenzgasse - zurück zum Gürtel bleibt aber zusätzlich aufrecht.

Die Wasserwerke schickten zwei Teams zum Einsatzort, um so schneller mit den Arbeiten fertig zu werden. In der Früh blieb trotz Ferienzeit das Chaos nicht aus. Die ÖAMTC-Informationszentrale empfahl, entweder auf den Öffentlichen Verkehr umzusteigen oder "sehr großräumig" auszuweichen. Ursache des Rohrbruchs war laut Wasserwerken einmal mehr der Grauguss, wie er in vielen älteren Rohren in Wien noch vorkommt.

Noch zahlreiche ältere Rohre aktiv
Grauguss sorgt immer wieder für spektakuläre Rohrgebrechen in der Bundeshauptstadt. Diese Eisenlegierung wird heute zwar nicht mehr verwendet, jedoch bestehen noch zahlreiche ältere Rohre aus dem Material, das bei Belastung leichter bricht als moderne Nachfolger. Zuletzt war Mitte Juni der Alsergrund durch ein Rohrgebrechen teilweise lahmgelegt, im vergangenen Herbst musste die Wiener Westeinfahrt nach einem Rohrbruch gesperrt werden.

Pro Jahr werden rund 30 Kilometer der alten Rohre sukzessive erneuert. Weit über 300 Kilometer dieser bis zur Mitte der 1960er-Jahre verlegten Leitungen sind bereits ersetzt worden. 19 Prozent des Wiener Rohrnetzes, das eine Gesamtlänge von 3.281 Kilometer hat, besteht aus Grauguss, dem vor allem starke Verkehrsbelastungen auf darüberliegenden Straßen zu schaffen machen. Jüngeren Datums sind Leitungen aus Sphäroguss, die fast 60 Prozent des Netzes ausmachen und über bessere Zugfestigkeit verfügen. Das Durchschnittsalter des Wiener Netzes beträgt rund 45 Jahre.

Auch an den Sphäroguss-Leitungen nagt der Zahn der Zeit, was das Kontrollamt im März zu einer düsteren Prognose veranlasste und in einem Prüfbericht eine schnell steigende Zahl an Rohrgebrechen nicht ausschloss. Die Wasserwerke hätten bereits in der Vergangenheit notwendige Schritte gesetzt. "Sie waren aber mit Blick in die Zukunft nicht hinreichend, und es zeichnete sich ab, dass der Erneuerung des städtischen Wasserleitungsnetzes eine noch höhere Priorität einzuräumen sein wird und bestimmte Rohrtypen verstärkt auszutauschen sein werden", so das Kontrollamt. Entsprechend dürften auch die jährlichen Aufwendungen steigen.

Schadensrate im internationalen Vergleich niedrig
Durch die intensive Erneuerung ist es laut Rathausangaben gelungen, die Verluste im Rohrnetz von rund 24 Prozent in den 1970er-Jahren auf unter zehn Prozent echte Verluste zu senken. Mit einer Schadensrate von elf Gebrechen pro 100 Kilometer und Jahr liege man im internationalen Vergleich jetzt bereits gut.

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