08.07.2010 10:58 |

Freud und Leid

Jubel in Spanien, Deutschland im Tal der Tränen

Spanien im totalen Freudentaumel, tiefe Trauer in Deutschland: Der 1:0-Sieg der Spanier (Details in der Infobox) im WM-Halbfinal-Kracher gegen Deutschland hat die iberische Halbinsel zum Beben gebracht, während zwischen Freilassing und Flensburg die Tränen flossen. Auch Wien lag am Mittwochabend im WM-Fieber. krone.tv war beim Public Viewing dabei und hat die Stimmung in der "Strandbar Herrmann" eingefangen.

Während die Fans von Europameister Spanien nun schon vom nächsten Titel träumen, meinte eine deutsche Polizistin, die Stimmung nach dem Scheitern sei "so wie das Spiel: gar nix los". Kaum war der Schlusspfiff ertönt, verwandelte sich Spanien in eine einzige riesengroße Fiesta. Von Galicien im Norden bis Andalusien im Süden strömten Hunderttausende Menschen mit der Nationalflagge auf die Straßen, um "La Roja", die Rote, zu feiern. Sorgen über Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit schienen wie weggeblasen.

"Jetzt werden wir Weltmeister"
"Ich kann es noch gar nicht glauben, wir sind im Finale!", kreischte eine junge Frau in Madrid. "Jetzt werden wir auch Weltmeister", zeigte sich der 34-jährige Oscar überzeugt. "Die Niederlande sind nicht so stark wie Deutschland." Im Hintergrund stimmte eine Gruppe Anhänger bereits Siegesgesänge an: "Campeones, campeones, oé, oé, oé." Andere streckten Nachbildungen des WM-Pokals in die Luft. Auch die Sportzeitung "Marca" meinte in ihrer Online-Ausgabe: "Diese Weltmeisterschaft kann uns nicht durch die Lappen gehen!"

Im ganzen Land fuhren Menschen mit ihren Autos hupend durch die Straßen und zündeten Silvesterknaller. Und immer wieder ließen sie den Torschützen Carles Puyol vom FC Barcelona sowie Torwart Iker Casillas (Real Madrid) hochleben, der wieder einige tolle Paraden zeigte. Bei selbst in der Nacht noch brütender Hitze sprangen viele Fans kurzerhand in die Stadtbrunnen, um sich abzukühlen. Gefeiert wurde sogar im La-Paz-Krankenhaus in Madrid. Das größte Universitätsklinikum der spanischen Hauptstadt hatte eigens Fernseher in den Wartesälen aufstellen lassen.

"Gar nix los" in Deutschland
Im Land des Verlierers überwog hingegen nach dem jähen Ende des erhofften Sommermärchens die Enttäuschung. Allein auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule waren rund 350.000 enttäuschte Zuschauer. Die mittlerweile schon gewohnten Auto-Korsos auf den Straßen blieben aus, nur vereinzelt feierten Spanier den Sieg ihrer Mannschaft.

"So wie das Spiel war, so ist jetzt auch die Stimmung: gar nix los", beschrieb eine Polizeisprecherin die Lage am Berliner Kurfürstendamm. Von der Fanmeile zogen diesmal keine feiernden, sondern frustrierte und weinende Fans davon. Während des Spiels sei es relativ friedlich geblieben, auch wenn die Stimmung im Vergleich zu den vorherigen Deutschland-Spielen etwas aggressiver gewesen sei, da auch mehr Alkohol getrunken worden sei, so die Polizei. Auch nach dem Spiel blieb es zunächst bis auf vereinzelte kleine Rangeleien friedlich.

Zuvor hatten sich bei schönstem Sommerwetter in zahlreichen Städten wie München, Hamburg, Frankfurt am Main oder Dortmund jeweils Zehntausende Fans versammelt. "Alles proppenvoll, Bombenstimmung - aber leider keine Tore", hieß es zur Halbzeitpause noch im Münchner Olympia-Park, wo 50.000 Menschen das Spiel in Durban verfolgten. In Hamburg strömten 70.000 Fans auf das Heiligengeistfeld, um das Spiel gemeinsam zu sehen.

"Kein großer Bahnhof" bei DFB-Rückkehr
Indes gab der DFB schon kurz nach dem Aus im Halbfinale bekannt, dass es für die deutsche Nationalmannschaft bei der Rückkehr aus Südafrika keinen "großen Bahnhof" in Berlin geben werde. "Ich habe mit dem Mannschaftsrat gesprochen. Es wird keinen Empfang nach dem Spiel um den dritten Platz geben", meinte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Die derzeitigen Planungen sehen vor, dass das Team nach dem Platzierungsspiel gegen Uruguay am Samstag in Port Elizabeth ins Quartier nahe Pretoria zurückkehrt. Dort wird es am Sonntag eine Abschlusspressekonferenz mit DFB-Präsident Theo Zwanziger geben. Für Sonntagabend ist der Rückflug von Südafrika nach Deutschland vorgesehen. Für Spieler und Trainerstab beginnt nach der Ankunft am Montagmorgen in Frankfurt am Main der Urlaub.

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