Die möglichen Gründe legt eine Studie am Institut für Managementwissenschaften der Technischen Universität Wien nahe, die mit Unterstützung des Bundesheeres durchgeführt wurde. Das Heer zeigte sich dabei durchaus interessiert, die Ursachen für die mangelnde Integration von Frauen im Bundesheer zu erfahren.
443 Soldatinnen und Soldaten aus verschiedenen Suborganisationen des Bundesheeres wurden von den TU-Forschern zum Thema Aggression am Arbeitsplatz und Organisationskultur bzw. Einstellung gegenüber Frauen befragt. Mehr als die Hälfte der Befragten hat bereits Erfahrung mit aggressivem Verhalten am Arbeitsplatz gemacht. Sechs Prozent der männlichen und 20 Prozent der weiblichen Befragten gelten nach wissenschaftlicher Definition als Mobbingopfer, da sie besonders oft und über einen langen Zeitraum aggressiven Handlungen ausgesetzt waren. Damit haben Frauen ein dreifach höheres Risiko, als Mobbingopfer zu enden, als ihre männlichen Kollegen.
Das Militär ist zu "maskulin"
Die Untersuchung bestätigt auch, dass die Organisationskultur des Militärs historisch bedingt von sehr "maskulinen" Werten geprägt (Kameradschaft, hohe Risikobereitschaft, etc.) ist, welche traditionelle Geschlechterrollen verstärken und (unbewusst) die Ablehnung von Frauen fördern. Vor allem bei Verbänden können sich "hypermaskuline Subkulturen" bilden, so die Studienautoren.
Die Organisationskultur wird von den Befragten in diesen Einheiten sehr oft als willkürliche Belohnungs- und Bestrafungskultur wahrgenommen. Die Mehrheit der Mitglieder in den Ausbildungsstätten sowie in den Eliteeinheiten hat darüber hinaus eine negative Einstellung gegenüber der Leistung von Frauen im Heer. Die Kaderschmieden (die Akademien und Schulen) weisen deshalb auch den höchsten Anteil an Mobbingopfern auf.
Akzeptiert werden Frauen nur in den Unterstützungseinheiten, die klassische "weibliche" Aufgabengebiete (z.B. administrative Tätigkeiten, Sanitätswesen, technische Einheiten, etc.) umfassen.
Lob für Heeresführung
"Ich halte diese Untersuchung für sehr wichtig und notwendig. Denn sie enthält äußerst wertvolle Inputs, wie wir die Rahmenbedingungen für die weiblichen Angehörigen des Bundesheeres verbessern können", erklärte die Gender-Mainstreaming-Beauftragte des Verteidigungsministeriums, Silvia Moosmaier. Vor allem in den Ausbildungsstätten und den Verbänden kann eine Sensibilisierung der Mitglieder hinsichtlich Stereotypen und Konfliktverhalten zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen aller SoldatInnen führen.
TU-Professorin Sabine Köszegi lobte das Interesse der Heeresführung, Studien wie die vorliegende zu ermöglichen und an der Verbesserung der Situation von Soldatinnen zu arbeiten: "Eine heeresinterne Reflexion der Ergebnisse unserer Studie ist ein guter Ausgangspunkt für die Integration von Frauen im Heer."
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