Haftstrafen ausgefasst

Familie stand wegen Drogenhandels vor Gericht

Wegen Verkaufs von 50 Kilo Marihuana ist eine Familie am Mittwoch im oberösterreichischen Steyr zu Haftstrafen verurteilt worden. Die 23-jährige Tochter, die federführend die Geschäfte abgewickelt hat, fasste fünf Jahre unbedingt aus, der einschlägig vorbestrafte Vater und die Mutter jeweils als Beitragstäter drei Monate unbedingt bzw. zwölf Monate teilbedingt. Eine mitangeklagte Kurierin erhielt drei Jahre unbedingt.

Der Vater, der erst vergangenes Jahr in Eisenstadt wegen Drogenhandels verurteilt worden war, erhielt in Bedachtnahme auf diese Strafe noch drei Monate obendrauf. Der 52-jährige sowie die Mutter der wegen Drogenhandels Verurteilten wurden wegen Beitragstäterschaft vom Schöffengericht bestraft. Die Mutter bekam zwölf Monate Haft, vier davon unbedingt. Nachdem die Eltern bereits seit August in U-Haft saßen, müssen sie jetzt nicht mehr ins Gefängnis sondern werden enthaftet.

Anders jedoch ihr Kind sowie dessen Ex-Freundin, die sehr wohl noch hinter Gitter wandern. Vom Vorwurf der Geldwäsche wurde die Familie aber freigesprochen. Die Einzahlungen der Drogengelder auf verschiedene Konten wertete das Gericht nicht als „Verschleierungshandlung“. Alle Urteile sind rechtskräftig.

Bankangestellte hatte große Wünsche
Da die „Wünsche größer als ihr Einkommen als Bankangestellte waren“, sei die Hauptangeklagte 2018 in das Drogengeschäft eingestiegen, meinte der Staatsanwalt. Die junge Frau soll sich mit den Einnahmen luxuriöse Reisen nach Ibiza, Dubai und New York finanziert haben. 300.000 Euro aus den Deals sollen auf diverse Konten der Bankangestellten eingegangen sein. Mindestens 50, möglicherweise 100 Kilo Marihuana, Ecstasy und Kokain sollen verkauft worden sein. Der Grenzwert sei jedenfalls weit über das 25-fache überschritten worden. Daher hatte der Staatsanwalt eine Strafhöhe - sie beträgt zwischen ein und 15 Jahren Haft - im mittleren Bereich gefordert.

Vater übernahm Botenfahrten
Im August 2019 flog der Drogenhandel auf, alle Angeklagten kamen in U-Haft, bis auf den Vater waren vor Gericht alle zumindest teilweise geständig. Der 52-Jährige leugnete, „für die Tochter Stoff erworben oder verkauft zu haben“. Allerdings will er sie bei Botenfahrten von Wien nach Enns begleitet haben. Damit sein Kind nicht nach einem langen Arbeitstag „übermüdet am Steuer sitzt“, wie er zur Richterin sagte. Auch die Mutter wollte „aus Angst“ um ihre drogenabhängige Tochter dieser nur einmal geholfen haben, Marihuana abzupacken.

2015/2016 will die Hauptangeklagte laut eigenen Angaben erstmals mit Suchtgift in Kontakt gekommen sein: „Ich war auf rauschenden Drogenpartys in Wien und blieb am Kokain hängen.“ 2017 habe sie entschieden, aus Österreich wegzugehen. Allerdings seien da 7000 Euro Schulden gewesen. Daher sei sie auf die „blöde Idee gekommen“, Stoff zu verkaufen, um das Konto auszugleichen und ihren Umzug nach Spanien zu finanzieren. Luxuriösen Lifestyle habe sie aber nie gehabt, sondern auf Ibiza hart gearbeitet, meinte sie vor Gericht.

Doch den Absprung vom Suchtgift habe sie nicht geschafft. Nach ihrer Rückkehr nach Wien stieg sie 2018 dann richtig in den Handel ein. Bekannte besorgten ihr den Stoff, sie organisierte den Verkauf u.a. in ihre Heimatstadt Salzburg, berichtete die junge Frau.

Ihre mittlerweile Ex-Freundin, die schon bei der Polizei ausgepackt hatte, wiederholte ihr umfassendes Geständnis, auch wenn sie den Beginn ihrer Kuriertätigkeit von 2017 auf 2018 änderte. Außer Streit stand jedoch, dass die 25-Jährige „regelmäßig große Mengen an Päckchen“ auf einem Autobahnparkplatz in Enns entgegengenommen und an Kunden in Salzburg weitergeleitet habe, bestätigte sie.

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