11.01.2020 11:00 |

„Krone“ fragte nach

Schießen oder nicht? Das Dilemma der Polizisten

Es kommt immer wieder vor, dass Polizisten plötzlich in gefährliche Situationen geraten, wie auch in St. Barbara im steirischen Mürztal. In Sekunden müssen sie entscheiden, was zu tun ist - dabei geht es um Leben oder Tod! Die „Krone“ war zu Besuch im polizeilichen Ausbildungszentrum.

Ein 36-Jähriger gab vor, den neuen Freund seiner „Ex“ ermordet zu haben, er richtete dann eine Pistolen-Attrappe auf die einschreitenden Beamten, um so seine Erschießung zu erzwingen: Die Geschehnisse in St. Barbara sind noch immer in aller Munde. Getötet wurde der Mann dabei nicht, aber am Bein zweimal getroffen. Der Vorfall wird nun - so wie jeder andere auch - geprüft.

Aber wann darf ein Polizist seine Waffen einsetzen? Wann ist es gerechtfertigt, auf einen Menschen zu schießen? Wir haben uns einen Tag lang beim polizeilichen Ausbildungszentrum in Graz schlau gemacht.

Vorsätzliches Töten strengstens verboten!
Den Polizeischülern wird dort das Waffengebrauchsgesetz in Verbindung mit dem Strafrecht und dem Sicherheitspolizeigesetz eingebläut. Die Theorie im Kopf zu haben, ist überlebenswichtig: „Binnen weniger Sekunden muss man als Polizist fähig sein, all diese Dinge abzurufen und entscheiden, ob er eine Waffe ziehen darf und, wenn ja, welche“, erklären die Ausbildner Alexander Komericky und Rupert König. Fragen wie „Welche Straftat liegt vor?“, „Wie verhält sich mein Gegenüber?“, „Ist es selbst bewaffnet?“ müssen beantwortet werden. Eines ist klar: Auch aus Notwehr ist ein vorsätzliches Töten strengstens verboten!

Mann geht plötzlich auf Beamte los
Im Einsatztraining zeigt sich die Ernsthaftigkeit erst so richtig. „Die Annahme lautet: Jemand droht am Notruf, sich in seiner Wohnung mit einem Messer zu ermorden“, erklärt Einsatztrainer Joachim Löffler. Zu zweit, mit Pfefferspray und Übungs-Glock bewaffnet, öffnen zwei Polizisten die Wohnungstür, der Anrufer sitzt auf der Couch, hält sich das Messer an den Hals, droht, sich aufzuschlitzen.

Auf einmal steht er auf, rennt auf die Beamten los, das Messer nicht mehr auf sich, sondern auf sie gerichtet. Zwei Schüsse fallen, der Angreifer geht zu Boden. Getroffen, am Oberschenkel. Schnell greifen die beiden zu, legen Handschellen an und leisten Erste Hilfe.

Eine Übung. Aber realitätsnah! „Ja, da steigt das Adrenalin, aber das ist notwendig, um später draußen zu bestehen“, resümieren die angehenden Polizisten.

Monika Krisper
Monika Krisper
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