Sohn folgt Kim

Nordkoreas Führung leitet mit Parteitag Machtwechsel ein

Ausland
26.06.2010 15:27
Mit der Einberufung des ersten Parteitags seit Jahrzehnten hat Nordkoreas Führung einen Machtwechsel eingeleitet. Das KP-Politbüro werde Anfang September zusammentreten, um seine Führungsspitze zu wählen, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. Experten zufolge könnte dann Kim Jong Un (27), der jüngste Sohn von Staatschef Kim Jong Il (beide im Bild), offiziell als Nachfolger in Stellung gebracht werden.

Der Parteitag ist erst der dritte seit der Staatsgründung 1948. Beobachter messen dem Treffen hohe Bedeutung bei, da dann womöglich Kims jüngster Sohn, Kim Jong Un, offiziell für die Nachfolge an der Staatsspitze nominiert wird. "Während dieser Konferenz wird der Norden Kim Jong Un voraussichtlich den offiziellen Status als Thronanwärter zuerkennen", sagte der südkoreanische Politikprofessor Kim Yeon-chul. Bisher habe die Kommunistische Partei lediglich in den 50er- und 60er-Jahren jeweils einen Parteitag abgehalten.

Nordkorea-Experte Yang Moo Jin rechnet damit, dass Kim Jong Un, über den im Westen so gut wie nichts bekannt ist, hinter verschlossenen Türen zum Nachfolger seines inzwischen 68 Jahre alten Vaters gekürt und dies erst 2012 verkündet wird. In dem Jahr hätte Kim Jong Ils Vater und Staatsgründer Kim Il Sung seinen 100. Geburtstag gefeiert, der in dem international isolierten Land immer noch als "großer Führer" verehrt wird. Bis 2012 wollte Nordkorea einen erfolgreichen sozialistischen Staat aufbauen.

Umstrukturierungen in Armee, Partei und Regierung
Nach Einschätzung von Yang bildet der Parteitag den Abschluss einer Reihe von Umstrukturierungen in Armee, Partei und Regierung. In den vergangenen zwölf Monaten gab es eine Reihe personeller Veränderungen im einflussreichen Nationalen Verteidigungsrat, der von Kim Jong Il geleitet wird, sowie im Kabinett.

Laut Kim Yong Hyun von der Dongguk-Universität ist der Parteitag die erste Großveranstaltung der Kommunistischen Partei der Arbeit seit 1980. Damals war Kim Jong Il vor allen Mitgliedern offiziell zum Nachfolger seines Vaters Kim Il Sung erklärt worden. Auch Kim erwartet eine bedeutende Umstrukturierung in der Parteiführung "zur Vorbereitung für eine mögliche Nachfolge".

Seit Kims Schlaganfall Spekulationen über Nachfolger
Spekulationen über die Nachfolgeregelung Kim Jong Ils halten sich hartnäckig, seit der nordkoreanische Machthaber laut Medieninformationen im August 2008 einen Schlaganfall erlitt. Nach südkoreanischen Angaben kommt seinem 27-jährigen Sohn eine immer größere Rolle in der Politik des Nordens zu. Südkoreas Geheimdienstchef Won Sei Hoon sagte am Donnerstag vor dem Parlament in Seoul, die Vorbereitungen zur Machtübergabe an Kim Jong Un würden wegen des schlechten Gesundheitszustands seines Vaters beschleunigt. So begleite Kim Jong Un seinen Vater oft auf Reisen durch das Land.

Nordkorea ist wegen seines Atomprogramms und seiner Menschenrechtspolitik international isoliert. Die Spannungen mit Südkorea waren erst am Freitag wieder deutlich geworden, als sich beide Länder zum 60. Jahrestag des Beginns des Koreakrieges gegenseitig Provokationen vorwarfen. Mit dem Untergang der südkoreanischen Korvette "Cheonan" am 26. März, bei dem 46 Matrosen starben, haben sich die Spannungen verschärft. Eine internationale Untersuchung ergab, dass das Schiff von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde. Pjöngjang bestreitet hingegen jegliche Verwicklung.

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