Heftige Debatte

US-Uni Berkeley will DNA von Studenten testen

Ausland
26.06.2010 13:14
Die renommierte US-Universität Berkeley will mit Hilfe eines DNA-Tests die Erbanlagen von Studienanfängern untersuchen - und hat damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Uni versicherte, die freiwilligen Tests sollten eine Debatte über den wachsenden Bereich der Genom-Forschung anregen und nicht die Anfälligkeit eines Menschen für eine bestimmte Krankheit vorhersagen. Kritiker hingegen befürchten einen negativen Einfluss auf die Erstsemestrigen.

Mit den Tests sollen Gene untersucht werden, die dabei helfen, die körpereigene Reaktion auf Alkohol, Milchprodukte und Folsäure zu steuern. "Wir dachten, damit eine fesselndere Debatte auszulösen, als damit, die Studenten ein Buch oder eine Studie lesen zu lassen", sagte Mark Schlissel, Dekan im Fachbereich Biologie in Berkeley. Gentests werden vermutlich in den kommenden Jahrzehnten zum Alltag in der Medizin werden, wie die Leiter der Untersuchung an der Universität erklärten. Daher sei es wichtig, Studenten mit diesem Thema zu konfrontieren.

"Berkeley hat es uns gegeben - es muss gut sein"
Kritiker verweisen allerdings darauf, dass bei den Studenten der Eindruck entstehen könnte, die Universität empfehle die in den USA schon weit verbreiteten Tests. Damit sollen die Kunden ihr Risiko für spätere Erkrankungen einschätzen können. Die Studenten könnten denken: "Berkeley hat es uns gegeben - es muss gut sein", erklärte Jesse Reynolds vom Zentrum für Genetik und Gesellschaft.

Die Tests beruhen auf Studien, die anhand von Statistiken die Wahrscheinlichkeit bestimmen, mit der eine Variation in einem Gen zu einer bestimmten Krankheit führt. Wissenschaftler bemängeln, dass die Aussagekraft vieler Studien begrenzt sei. Ohne eine fachliche Beratung könnten Testpersonen ihre Ergebnisse aber als endgültig betrachten - und Studienanfänger könnten aufgrund ihres Alters besonders beeinflussbar sein.

Auswahl der zu untersuchenden Gene umstritten
Die Verantwortlichen an der Universität von Berkeley weisen die Kritik zurück. Sie erklärten, die Auswahl der zu untersuchenden Gene sei mit Vorsicht erfolgt. Es würden nur solche Gene bei den Studenten untersucht, die nicht mit ernsten Gesundheitsproblemen in Verbindung stünden. Laut dem Genetik-Professor Jasper Rine werden die Test-Kits den Studenten voraussichtlich Dinge bestätigen, die sie bereits von sich wissen.

Die Auswahl, die Berkeley für seinen Gentest getroffen hat, ist dennoch umstritten. Das Testen eines Gens, das festlegt, wie schnell ein Mensch Alkohol aufnimmt, könnte bei den Studienanfängern einen falschen Eindruck hinterlassen, sagte Doktor Muin J. Khoury, Leiter des nationalen Amts für Genom-Forschung. "Ich mache mir Sorgen, dass 18-Jährige denken könnten: 'Ich habe einen schnellen Stoffwechsel, ich kann eine Menge Alkohol trinken, es wird keine Wirkung auf mich haben'."

Verlosung einer ausführlicheren Analyse des Erbguts
Die Aussagekraft der Tests hänge davon ab, wie die Ergebnisse nachher präsentiert und diskutiert werden, sagt Khoury. Berkeley will seinen Studienanfängern im Herbst anbieten, die Tests genau zu erläutern. Die DNA soll anonym gesammelt werden, die Studenten bekommen einen Strichcode, mit dem nur sie ihr individuelles Ergebnis abrufen können. Nach Abschluss der Untersuchung wird das komplette gespeicherte DNA-Material vernichtet. "Wenn die Ausführung gut ist, könnte es eine tolle Erfahrung sein", hieß es seitens der Universität.

Berkeley will die Jugendlichen zu dieser Erfahrung offenbar ermutigen: Studenten, die an der Studie teilnehmen, können an einer Verlosung teilnehmen: Zu gewinnen gibt es eine ausführlichere Analyse ihres Erbguts von einem privaten Unternehmen.

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