03.01.2020 05:01 |

Ernährung

Nudging - „Stupsen“ in die richtige Richtung

Die neue Methode soll das Essverhalten zum Positiven verändern, ohne das bestimmte Lebensmittel verboten werden. So kann man die Akzeptanz deutlich erhöhen.

„Wichtig beim Einsatz von Nudging ist, dass die gesündere Wahl zur einfacheren, bequemeren Option wird und gleichzeitig die Wahlfreiheit nicht einschränkt. Nudging könnte man auch als eine Art „stille“ Orientierungshilfe im unüberschaubaren Angebot an Lebensmittel- und Essensmöglichkeiten sehen, die unbewusste Entscheidungen in die gesündere Richtung stupsen“, erklärt Mag. Angela Mörixbauer, Ernährungswissenschafterin, Waidhofen/Ybbs (NÖ).

Das bedeutet zum Beispiel, dass in Kantinen und Mensen als Standardbeilage Vollkornreis oder Kartoffeln gereicht werden und weißer Reis bzw. Pommes nur auf Nachfrage. Oder dass Wasser und kalorienarme Getränke im Getränkeautomat in Augenhöhe platziert sind, Limonaden dagegen in der unbequemeren „Bückzone“ im unteren Bereich. „Bei Obst kennen wir das häufig aus eigener Erfahrung: Der Apfel im Ganzen bleibt oft Tage liegen, während wir gerne zugreifen, wenn uns jemand die Frucht in mundgerechte Spalten schneidet. Daher finden wir in der Gemeinschaftsverpflegung oder auch Supermärkten Obst und Gemüse immer öfter bereits vorgeschnitten und in handlichen „to go-Behältern“ präsentiert. Dass dieses Angebot angenommen wird, zeigen steigende Verkaufszahlen“, betont die Expertin.

Auch die Beleuchtung hat Einfluss auf unsere Essensentscheidung: So führt gedämpfte Restaurantbeleuchtung im Vergleich zu hellem Ambiente zu einer höheren Kalorienaufnahme. Die Reihenfolge, in der uns Speisen angeboten werden, macht ebenfalls einen Unterschied. Denn Menschen tendieren dazu, jene Gerichte zu wählen, die sie als erstes erblicken. Daher findet man in Kantinen oft Musterteller mit dem „gesundheitsförderlicheren“ Menü an prominenter Stelle am Eingang. Das ist auch der Grund, weshalb wünschenswertere Speisen in der Ausgabelinie als erstes platziert werden sollten.

Will man den Salatkonsum erhöhen, platziert man die Salattheke am besten im Zentrum, von allen Seiten leicht zugänglich und so, dass der Laufweg der Gäste automatisch an ihr vorbeiführt. Umgekehrt stellt man einen Snackautomaten mit hochkalorischen Süßigkeiten und Knabbereien eher an einer entlegeneren Stelle auf. Alleine die Frage des Ausgabepersonals „Möchten Sie ein Stück Obst als Dessert?“ oder „Darf ich Ihnen einen Salat als Beilage dazugeben?" erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Angebot gewählt wird, obwohl man es vielleicht nicht vorhatte.

Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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