An der Kippe

Bericht deckt auf: Über 40.000 Grazer armutsgefährdet

Steiermark
16.06.2010 15:53
SPÖ-Sozialstadträtin Elke Edlinger hat den ersten Grazer Armutsbericht vorgelegt - das Ergebnis bestürzt: 40.400 Grazer sind von Armut bedroht, 20.200 leben in manifester Armut. Betroffen sind vor allem allein lebende Pensionistinnen, Alleinerzieherinnen, Familien mit mehr als drei Kindern oder auch Arbeitslose.

Die Schwelle zur Armutsgefährdung liegt bei einem Einkommen von 951 Euro im Monat. In manifester Armut lebt, wer weniger als das verdient und sich Alltäglichkeiten nicht leisten kann, wie neue Kleidung, die Heizung usw. Mehr als 20.000 Grazern ergeht es so. Das ist knapp jeder Zwölfte.

Armut ungleich verteilt
Die Armut ist sehr ungleich auf die Bezirke aufgeteilt. So gibt es die meisten Sozialhilfebezieher in den Bezirken Lend, Gries, Jakomini und Eggenberg - die wenigsten in St. Peter, Ries, Waltendorf, Straßgang, St. Leonhard und Geidorf. Sozialstadträtin Edlinger: "Armut hat viele Gesichter. Vielen Betroffenen sieht man die schwierige Situation gar nicht an, weil sie aus Scham alles tun, um ihre Notlage zu verbergen."

Projekte sollen helfen
Die Stadt Graz investiert in viele Projekte - es gibt Lerncafés für Kinder, deren Eltern sich keine Nachhilfe leisten können, Arbeitsmarktprojekte mit dem AMS, Soziallotsen, die bei Behördenwegen helfen, Frühwarnsysteme und Unterstützung bei drohender Delogierung und Stromabschaltung usw. Edlinger will noch heuer einen Sozialmarkt in Graz umsetzen, in dem sozial Schwache günstig einkaufen können. Edlinger: "Was wir brauchen, sind ordentlich bezahlte Arbeitsplätze und die Chance auf Bildung für alle!" Und: "Ich fordere einen Mindestlohn von 1.300 Euro im Monat."

Daten und Fakten

  • 31 Prozent der unselbstständig Beschäftigten verdient weniger als 12.000 Euro brutto im Jahr - das mittlere Einkommen in dieser Gruppe beträgt überhaupt nur 325 Euro netto im Monat. 
  • 32 Prozent aller Pensionisten verdienen ebenfalls weniger als 12.000 Euro brutto im Jahr - das mittlere Einkommen beträgt hier 595 Euro im Monat. 
  • 38 Prozent der Arbeitslosen erhält weniger als 600 Euro im Monat - 47 Prozent der 3.639 Grazer Sozialhilfebezieher sind beim AMS gemeldet. 
  • 15.000 Grazer gehen einem prekären Beschäftigungsverhältnis nach und arbeiten weniger als zwölf Wochenstunden, haben einen Werkvertrag oder eine Niedriglohnbeschäftigung. 
  • 33.000 Grazer waren 2007 teilzeitbeschäftigt - 69 Prozent waren Frauen. 62 Prozent der Teilzeitbeschäftigten verdienten weniger als 12.000 Euro brutto im Jahr. 
  • 1.100 Haushalte mussten 2008 von der Wohnungssicherungsstelle betreut werden, waren also akut von Delogierung bedroht. 
  • Bis zu 100 Personen leben in Graz auf der Straße. Bis zu 900 finden in Übergangswohnungen oder Notschlafstellen Platz. 
  • 900 Graz kontaktierten 2008 die Schuldnerberatung, weitere 2.000 suchten um Hilfe bei der Sozialberatung der Caritas an. 
  • Die Zahl junger Mütter, die ohne Wohnung dastehen, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Etwa 150 Fälle gibt es derzeit. Vor einigen Jahren waren es nicht einmal ein Dutzend. 
  • In Graz sind ungefähr 3.000 ohne Krankenversicherung.

von Gerald Richter ("Steirerkrone") und steirerkrone.at

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