Bernd Lötsch, Naturschützer und ehemaliger Generaldirektor des Naturhistorischen Museums, forderte, dass die Vollzugsdefizite im Bereich der Naturschutzgesetze beseitigt werden. "Wir haben gute Naturschutzgesetze, diese müssen lediglich eingehalten werden". Aus seiner Sicht würde ein positiver Bescheid im naturschutzrechtlichen Vorprüfungsverfahren für das IKB-Kraftwerk einen eklatanten "Rechtsbruch" darstellen.
Statt ständig über neue Projekte zu diskutieren, bräuchte es vielmehr eine verbraucherseitig orientierte Energiepolitik, um die Nachfrage nach Energie zu senken. Denn je mehr Strom produziert werde, desto mehr werde auch verbraucht.
"Schaden in keinem Verhältnis zum Nutzen"
Der im Verhältnis zum energiepolitischen Nutzen angerichtete Schaden sei bei dem Innkraftwerk in keinem Verhältnis, kritisierte Lötsch. Außerdem sei es ein Irrglaube, dass man mit Wasserkraftausbau gegen den Klimawandel vorgehen könne.
"Im Winter haben wir ein absolutes Minimum an Ertrag und dieser muss dann mit fossilen Energieträgern substituiert werden", gab der Experte zu bedenken. Wasserkraft sei nur bei gleichzeitiger Steigerung der fossilen Energie möglich.
"Flussinseln und Flusslebensräume würden überflutet"
Die neu aufs Tapet gebrachte Variante sei sogar "noch schlechter als die alte", argumentierte Christoph Walder vom WWF. An den grundlegenden Problemen habe die IKB nichts verändert: Nach wie vor würden intakte Flussinseln und Flusslebensräume überflutet, und der Stau reichte weiterhin bis in das Sonderschutzgebiet der Rietzer und Mieminger Innauen hinein, kritisierte Walder.
Außerdem würde die in Telfs gewonnene Energie nicht einmal ausreichen, den Stromverbrauchszuwachs von Tirol für sechs Monate abzudecken. Offensichtlich handle es sich bei dem Kraftwerk aber um ein "Prestigeprojekt" der IKB und werde daher künstlich am Leben erhalten. Denn energiepolitisch, ökologisch und sozial - immerhin zwei Anrainergemeinden hätten sich dagegen ausgesprochen - rechtfertige es keineswegs den Aufwand.
Neue Variante am Dienstag präsentiert
Die IKB hatten am Dienstag einen neuen Versuch gestartet, das Kraftwerk auf Schiene zu bringen und neue Varianten präsentiert (siehe auch Bericht in der Infobox). Das 74 Millionen Euro teure Projekt war bereits einmal bei der naturschutzrechtlichen Vorprüfung als nicht genehmigungsfähig befunden worden.
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