26.11.2019 12:32 |

Handy eingeschleust

Liebesschwindler erbeutete eine Million - im Häfen

Obwohl er wegen eines ähnlichen Delikts bereits eine 24-jährige Haftstrafe absitzt, ist es einem nigerianischen Online-Liebesschwindler gelungen, hinter Gittern weiter seinen Geschäften nachzugehen. Er soll vom Gefängnis aus gemeinsam mit Komplizen eine Million US-Dollar erbeutet und mit seiner Frau eine Wohnung sowie ein Auto gekauft haben, bevor ihm die nigerianischen Behörden auf die Schliche kamen.

Hope Olusegun Aroke war bereits 2015 zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte sich als Informatikstudent in Malaysia getarnt und hinter dieser Fassade in Nigeria ein Betrugsnetzwerk betrieben, das sich auf Liebesbetrügereien spezialisiert hatte. Seine Masche: Einsame Menschen aus reichen Ländern mit liebreizenden Worten einlullen und dazu bringen, größere Geldsummen zu überweisen.

Handy im Hochsicherheitsgefängnis
Obwohl Aroke vor vier Jahren überführt und verurteilt worden ist, gingen die Betrügereien weiter. Mit einem Schmuggel-Smartphone soll er laut einem Bericht des IT-Portals „The Register“ in einem Hochsicherheitsgefängnis in Lagos Mitglieder seiner Bande koordiniert, zwei Bankkonten eröffnet und Geld von diesen Bankkonten auf jenes seiner Frau verschoben haben, die damit eine Immobilie und einen Lexus-SUV kaufte. Insgesamt eine Million US-Dollar soll sich die Bande, koordiniert aus dem Gefängnis, ergaunert haben.

Die Behörden erklären in einem ersten Statement: „Unseren vorläufigen Ermittlungen zufolge hat der Beschuldigte entgegen der üblichen Praxis in jener Haftanstalt, in der er sein Urteil absitzen sollte, Internetzugang gehabt.“ Wie er an das Handy gekommen ist, mit dem er seine Betrügereien koordinierte, ist noch nicht bekannt. Die Ermittler vermuten aber, dass er einen Freigang für die Beschaffung nutzte und Unterstützer außerhalb des Gefängnisses hatte.

Hafturlaub für medizinische Behandlung
Tatsächlich hatte Aroke vor einiger Zeit Hafturlaub, weil er sich einer medizinischen Behandlung unterziehen musste. Den Ermittlern zufolge soll er dafür tatsächlich ein Krankenhaus aufgesucht haben, das Spital aber immer wieder verlassen und sich in einem Hotelzimmer einquartiert haben. Dort soll er Kontakt mit seiner Frau und der Familie gepflegt haben, sogar Partys soll der Inhaftierte während dieser Zeit besucht haben. Denkbar, dass er bei einer dieser Gelegenheiten das Handy erhielt.

Nigeria gilt als Hotspot solcher Betrugsnetzwerke, die ihre Fühler in die ganze Welt ausstrecken. Die Standortwahl hat mehrere Gründe - ökonomische wie sprachliche. Zu den wirtschaftlichen Gründen zählt, dass in dem 190-Millionen-Einwohner-Staat hohe Arbeitslosigkeit und ein niedriges Lohnniveau herrschen. Liebesschwindel ist also einträglicher als ein ehrlicher Job - wenn man überhaupt einen findet. Weil die Amtssprache Englisch ist, ist es für Liebesschwindler einfach, sich mit ihren Opfern zu verständigen und nicht durch fehlerhaftes Englisch als Betrüger entlarvt zu werden. Dass es in dem Land im Gegensatz zu anderen afrikanischen Staaten eine vergleichsweise gut ausgebaute Internet-Infrastruktur gibt, spielt ihnen ebenfalls in die Hände.

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