5 Mrd. Euro Verlust
Paris: Skandal-Börsenhändler Kerviel vor Gericht
"Wir bitten unsere Aktionäre um Entschuldigung", sagte der in Folge der Affäre abgetretenen Bankchef damals zu den Anteilseignern und beschimpfte seinen ehemaligen Mitarbeiter als "Terroristen". Dieser steht jetzt in Paris vor Gericht.
In dunklem Anzug, weißem Hand und polierten Schuhen trat er am Dienstag erstmals vor die Richter, nachdem er sich durch eine Heerschar von Journalisten aus der ganzen Welt gekämpft hatte. Der heute 33-Jährige sah ernst und angespannt aus und will mit seinen Anwälten in den nächsten drei Wochen beweisen, dass er keineswegs ein großer Betrüger ist. Er sei ein Mann, der zu seinen Fehlern stehe, der es aber ablehne, für ein verrückt gewordenes Finanzsystem zu büßen, argumentiert er.
Angeklagter: Vorgesetzte wussten von den Geschäften
Seine Vorgesetzten sollen über seine Hochrisikogeschäfte im Bilde gewesen sein. 1,5 Milliarden Euro hatte er vor seinen Fehlspekulationen Anfang 2008 für die Bank verdient. Schon dabei habe er seine Limits weit überschritten, sagt Kerviel. Staranwalt Olivier Metzner will im Prozess Dokumente vorlegen, die die Mitwisserschaft der Bank beweisen und auf Freispruch für seinen Mandanten plädieren. Metzner: "Wie immer bei einer Krise soll die Verantwortung auf einen Menschen abgewälzt werden und nicht auf das System. Den Fall Kerviel würde es gar nicht geben, wenn das System, die Bank, die Société Générale, ihre Rolle erfüllt hätten." Kerviel drohen wegen Untreue, Dokumentenfälschung und der Manipulation von Computerdaten bis zu fünf Jahre Haft.
Der junge Mann ist vom Börsenhändler zum Systemkritiker geworden. "Ich bewegte mich in einem Milieu, das vollständig von der Realität abgekoppelt war - in mancher Hinsicht unverantwortlich", sagte er. In der Bank sei es nur darum gegangen, so viel Geld wie möglich zu machen - in so wenig Zeit wie möglich und fast egal wie. Er und seine Kollegen seien für die Vorgesetzten "Prostituierte" gewesen. "Wie viel hast du gemacht?" - das sei die immer wiederkehrende Frage am Ende des Tages gewesen. Er habe sich von den Äußerungen seiner Chefs "eher ermutigt" gefühlt. Den Milliardenverlust habe nicht er gemacht, betonte Kerviel. Es sei die Bank gewesen, die seine offenen Positionen zu Schleuderpreisen verramscht habe.
Verluste und Imageschaden: Bank will Schadensersatz
Die Bank, die im Prozess als Nebenkläger auftritt, sieht die Geschichte etwas anders. Ihre Anwälte wollen vor Gericht Schadensersatz einklagen - für die Verluste und den Image-Schaden, den das Institut erlitten hat. Die Anklage macht geltend, dass Kerviel "kein Kind, kein verantwortungsloser Minderjähriger und kein kranker Erwachsener" sei. Der ehemalige Händler müsse für seine Taten einstehen.
Dem Franzosen drohen fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 375.000 Euro. Mehr als eine symbolische Entschädigung wird Kerviel allerdings im Fall einer Verurteilung nicht zahlen können. Zuletzt arbeitete er für eine IT-Firma und verdiente 2.300 Euro im Monat. Er hat versprochen, nie mehr einen Fuß in einen Handelssaal zu setzen. Der Prozess soll am 25. Juni zu Ende gehen, das Urteil wird etliche Wochen später fallen.
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