"Wird 17. Mitglied"
EU-Finanzminister einig: Estland erhält 2011 den Euro
Wie EU-Diplomaten mitteilten, beschlossen die EU-Finanzminister in Luxemburg eine entsprechende Empfehlung an EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy. Formal muss die Einführung des Euro damit nurnoch von den EU-Staats- und Regierungschefs beim EU-Gipfel Mitte Juni angenommen werden. Dies gilt aber als reiner Formalakt, nachdem Estland alle Kriterien für den Euro-Beitritt erfüllt. Nach Angaben von Diplomaten wird es darüber aber keine Diskussionen mehr geben. Estland kann damit als 17. Land Anfang nächsten Jahres die europäische Gemeinschaftswährung anstelle der estnischen Krone einführen.
Eigentlich "seit 1992 in der Eurozone"
Estlands Finanzminister Jürgen Ligi sieht den Beitritt pragmatisch: "Wir bekommen die Probleme der Eurozone so oder so, wenn wir draußen sind oder drinnen. Es ist also besser, drinnen zu sein und die Gegenleistung dafür auch zu haben", sagte er und betonte, sein Land sei eigentlich "seit 1992 in der Eurozone", da die estnische Krone seither an die deutsche Mark und später an den Euro gekoppelt sei. "Wir haben keine bessere Wahl als beizutreten, um die Glaubwürdigkeit zu bekommen, die eine größere Währung in jedem Fall trotz ihrer Probleme hat." Die Inflation in Estland sei "nicht ernst. Es gibt keinen Spielraum für eine höhere Inflation", sagte Ligi.
Estland sei auch bereit, sich an der Griechenland-Unterstützung der Euro-Länder zu beteiligen, "wenn das notwendig ist", sagte er. "Aber es ist keine Hilfe, es sollte zurückgezahlt werden."
Estnische Zentralbank plant schon Startpakete
Die Zentralbank in Tallinn plant, nach dem Muster der bisherigen Euro-Länder, bereits Einführungspakete mit Euro-Münzen vor dem offiziellen Währungsübergang am 1. Jänner auszugeben. Notenbank-Sprecher Viljar Raask wollte am Montag aber noch keine Angaben darüber machen, wie viele Pakete ausgegeben werden sollen und wie viele Münzen der einzelnen Werte darin enthalten sein werden. Es sei lediglich die Grundsatzentscheidung getroffen, so Raask laut der Online-Ausgabe der Tallinner Tageszeitung "Postimees".
Sämtliche estnische Euro-Münzen werden auf der nationalen Prägeseite die Umrisse des Landes aufweisen. Dieses Motiv war bereits im Spätherbst 2004 in einer Telefonumfrage unter der Bevölkerung ermittelt worden. Geprägt werden die estnischen Euros von der Münze Finnland (Rahapaja Moneta), die den diesbezüglichen Auftrag ein Jahr später an Land gezogen hatte. Unter den Mitbewerbern war damals auch die Münze Österreich.
Insgesamt sollen vor der Einführung 600 Tonnen estnische Euro-Münzen mit dem Schiff aus Finnland geliefert werden. Das Papiergeld soll dagegen von der Deutschen Bundesbank und der Bank von Finnland geliefert werden und per Luftfracht kommen.
Pröll: Estland in vielen Bereichen besser als Euro-Länder
Estland erfüllt nach Worten von Finanzminister Josef Pröll alle Voraussetzungen, um den Euro einzuführen. "Estland hat in vielen Bereichen deutlich bessere Kennzahlen, als das jetzt schon Euro-Mitgliedsländer haben." Es gehe nicht um eine politische, sondern um eine technisch-faktische Entscheidung. "Das ist ein Prozess, der nicht aufzuhalten ist", sagte der Finanzminister.
Der Beitritts-Prozess sei seit langem eingeleitet. Die Empfehlung der Finanzminister werde jetzt den EU-Regierungschefs vorgelegt und müsse einer weiteren Beschlussfassung unterzogen werden. Es gehe nicht um den Zeitpunkt, sondern dass Länder, die sich schon länger im Euro-Warteraum befinden, ihre "Hausaufgaben" erfüllt haben. Estland habe eine Verschuldensquote von 9 Prozent, während Österreich zwischen 60 und 70 Prozent liege.
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